Wie man mit einem Kater im Büro umgeht

Manchmal ist das einfach so. Der Tag war stressig und man sehnt sich nach Bier und Wein, aus Sehnsucht wird Verlangen und so findet man sich schnell in der Lieblingsbar wieder. Meistens ist immer mindestens ein Freund dabei, der morgen Urlaub hat, Homeoffice macht oder schlicht und ergreifend nicht zur arbeitenden Bevölkerung gehört. Er ist der Teufel. Man lässt sich überreden, trinkt mehr als man will, vergisst irgendwann, dass morgen die Arbeit ruft und fällt völlig besoffen ins Bett. Um fünf. Und um sieben klingelt der Wecker. Manchmal ist das einfach so.

Der erste Schritt zur Besserung ist zu akzeptieren, dass es Dienstag und nicht Sonntag ist, dass du zur Arbeit musst und dass das alles sehr dumm gelaufen ist. Sich jetzt aufzuregen führt nur zu größeren Kopfschmerzen und ändert nichts an der Situation: Du hast einen Kater oder bist wohlmöglich sogar noch angetrunken und wirst deinem Chef begegnen. Bald. Also hör auf zu heulen, wasch dir den Schmutz der letzten Nacht ab und zieh dir was Anständiges an.

Der Weg

Dass du dich ins Büro quälen musst, hat direkt einen Vorteil: du kannst dir draußen irgendetwas Geiles zu essen kaufen. Du kannst nicht nur, du musst. Ein anständiges Katerfrühstück ist die halbe Miete und wird helfen, den Tag zu überstehen. Am besten eignet sich eine Kombi aus extrem ungesund und ultra healthy, zum Beispiel einen Frühstücksburger von Mäcces und dazu einen Green Power Wonder Smoothie. Ingwertee tut besonders gute Dienste in Fällen von Übelkeit.

Der Gedanke an ein Konterbier ist nur akzeptabel, wenn du a) in einer Brauerei arbeitest und sowieso alles nach Bier riecht, b) Rockstar mit allgemein bekanntem Alkoholproblem bist oder c) alle deine Kollegen ebenso nasenlos sind wie Voldemort. Trifft nichts davon zu, lass es bleiben! Es sei denn, du willst dich schon im Aufzug durch dein dezentes Eau de Spiritus verraten.

Ankommen

Egal, wie sehr du Mitleid gerade nötig hast, erzähle niemandem von den Eskapaden letzter Nacht. Wenn deine Kollegen nicht gerade die Saufkumpanen waren, dann hat dein Gejammer auf der Arbeit nichts zu suchen. Genau so ist es für Kunden, Geschäftspartner und auch für den Postboten absolut nicht von Relevanz, dass du nicht verantwortungsvoll trinken kannst. Gepflegt ein alkoholisches Getränk zu sich nehmen, dagegen ist nichts einzuwenden. Sich aber abzuschießen, sodass man hinterher aussieht wie der Tod auf zwei Beinen, das ist mit über zwanzig nur noch peinlich und wird dir alles, nur keinen Respekt bescheren. Benimm dich völlig normal. Tu, was du immer tust.

Klarkommen

Ich weiß, alles in dir schreit „Bett“, und wahrscheinlich wünschst du dir, tot zu sein, aber das nützt jetzt nichts. Das Motto lautet: fake it, till you make it! Tu so, als wäre alles normal, und das so überzeugend, bis du es dir selbst glaubst.

Komm nicht auf die Idee, Anrufe nicht anzunehmen oder ein Meeting zu canceln, die Kollegen werden es mitbekommen und sich fragen, was los ist. Noch schlimmer: Sie werden dich fragen und während du mit ihnen sprichst, werden sie deine Fahne bemerken. Oder die Krater unter deinen Augen, oder dass du aus Versehen das Gleiche wie gestern anhast. Dies wäre suboptimal. Da sich nicht jedes Gespräch vermeiden lässt, solltest du unbedingt durchgehend Kaugummi kauen, Bonbons lutschen oder notfalls raue Mengen Pfefferminztee trinken. Und denk dran: nicht nur dein Atem könnte dich verraten, sondern auch jede einzelne Pore, die verzweifelt versucht, den Alkohol auszudünsten. Also habe Deo griffbereit!

Wenn du es bis zur Mittagspause geschafft hast, ist das eine Spitzenleistung. Gönn dir etwas leckeres zu Essen und gehe eine Runde spazieren. Letzte Nacht zeugt zwar vom Gegenbeweis, aber solltest du dennoch glauben, ein Meister der Selbstdisziplin zu sein, kannst du dich auch für 15 Minuten hinlegen. Tendenziell ist das jedoch nicht empfehlenswert, die Berichte von demjenigen, der es geschafft hat, nach einer Viertelstunde wieder aufzustehen, sind ein Mythos. Sag dir von jetzt an, alle halbe Stunde selbst an, wie nah der Feierabend ist. Das wirkt motivierend.

Kreativ werden

Heute ist es ausnahmsweise mal in Ordnung, den Tag zu vertrödeln. So lange es nach außen hin den Anschein hat, dass du arbeitest, kannst du eigentlich alles machen, zu dem du sonst zu vernünftig bist. Dafür musst du am nächsten Tag zwar ranklotzen, aber ob du deprimiert Löcher in die Luft starrst, oder es dir ein bisschen lustig machst, ist eigentlich Nebensache. Produktiv ist beides nicht. Wenn du richtig schlau bist und weißt, dass du am nächsten Tag mit Kater im Büro erscheinen wirst, arbeitest du einfach schon mal vor.

Heute reicht es aus auf lustigen Websites hängen zu bleiben und leise in sich hinein zu kichern. Du glaubst vielleicht, du hättest alles schon gesehen, aber das Internet ist unergründlich. Wenn du lange genug suchst, wirst du etwas finden, was den heutigen Tag zum Besten deines Lebens macht. Mach mehr Pausen als sonst und ja, ein zweites Frühstück ist angebracht. Genau so wie um drei Uhr auf Kaffee und Kuchen zu bestehen, so als wäre Sonntag.

Wenn du tatsächlich noch angetrunken sein solltest, ist es vielleicht Zeit für einen besonders lustigen Tag. Jetzt hast du den Mut Dinge zu tun, die man im Büro nicht macht. Dabei ist es trotzdem sehr wichtig Feingefühl zu beweisen: Der Kollegin auf den Arsch hauen, nicht feinfühlig. Das Büro während die Anderen weg sind umdekorieren, sinnlos, aber lustig, für dich. Lass deine Kreativität spielen, und der Tag vergeht wie im Flug.

Wegkommen

Es ist geschafft! Jetzt nur nicht übermütig werden, gesittet Verabschieden und sich erst im Aufzug, insofern man alleine ist, kurz zu Luftsprüngen hinreißen zu lassen. Vorsicht: Die Landung könnte zu erneuten Kopfschmerzen führen und im schlimmsten Fall den Aufzug still stehen lassen. Noch etwas Geduld.

Du kannst stolz auf dich sein. Der Heimweg. Gehe nicht über Los: Halte nicht an einer Bar an – dein Bett wartet.

Das nächste Mal

Es ist unwahrscheinlich, dass dich diese schreckliche Erfahrung in Zukunft davon abhalten wird, unter der Woche zu trinken. Spätestens nach dem nächsten nervenaufreibenden Meeting oder einem dummen Kommentar vom Chef, wirst du dich nach der vermeintlich heilen Welt im Inneren einer Bar sehnen und vergessen, wie schlimm es beim letzte Mal war. Doch dieses Mal ist noch nicht alles zu spät. Schnell ein paar letzte Tipps, wie du vermeiden kannst, das eben Beschriebene noch einmal durchleben zu müssen.

Tausend Mal gehört und doch nie befolgt: Wasser trinken! Davor, dabei, danach. Und nein, das Tonic im Gin zählt nicht, nur weil es durchsichtig ist. Je hochwertiger der Alkohol und je weniger Farb- und Zusatzstoffe, desto besser wird es dir am nächsten Tag gehen. Also Finger weg, von Happy Hour 3,50 Euro Cocktails!

Tu dir außerdem selbst den Gefallen, und stell deinen Wecker für den nächsten Tag vor zwölf Uhr. Je später du das tust, desto mehr wirst du anfangen, mit dir selbst zu hadern, duschen und frühstücken überflüssig finden und dein Wecker wird fünf Minuten bevor du das Haus verlassen musst, klingeln. Du wirst die Zeit brauchen, und die halbe Stunde Schlaf mehr, wird es auch nicht besser machen.

Wenn all das nicht hilft und du dich wieder fühlst, wie ausgespuckt, dann lies das hier erneut.


Julia Kopatzki

Julia hielt ein Germanistikstudium für eine gute Idee – großer Fehler. Publizistik hingegen ist super und so findet man sie jetzt bei Business Punk. Kann dir alles über deutsche Popliteratur und Kaffee erzählen, obwohl sie selber keinen trinkt. Trägt immer nur schwarz, dafür ist es im Kopf umso bunter.

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