„Die Leute wollen den neuen Scheiß“: Die Beginner im Interview

Warum hat es denn 13 Jahre gedauert, bis „Advanced Chemistry“ fertig war?

Dennis Lisk: Das wird uns wohl ewig verfolgen. Unser Hashtag: #seit13Jahren. Das war so: Wir hatten eigentlich 2010 schon total Lust. Ich habe Eißfeldt angerufen, und wir hatten beide Bock und haben in den Hörer geschrien: „Yeah, let’s go“ – wie zwei Kinder, die sich auf dem Spielplatz entgegenlaufen, aber dann erst mal hinfallen und sich das Knie aufschürfen. Wir haben gute zwei Jahre an der Platte geschraubt und dann gemerkt, dass die Ansprüche höher waren als die Ergebnisse. Wir mussten nach dem Hinfallen erst mal wieder laufen lernen. 2015 waren wir dann alle an einem Punkt, wo wir uns bereit gefühlt haben. Dann hat’s auf einmal gefunzt. Und da sind wir.

Die Erwartungen an Sie sind sehr hoch. Hat Sie das unter Druck gesetzt?

Lisk: Seitdem unsere Single „Ahnma“ draußen ist, empfinde ich weniger Druck, sondern eher Bestätigung. Wir haben da gemerkt, dass die Leute nicht nur den alten Scheiß feiern wollen, wenn sie zu den Konzerten kommen. Sondern auch den neuen Scheiß.

Wie fühlt sich das an, als Legende zu gelten?

Lisk: Ich finde das total geil. Ich bin sehr dankbar. Aber wenn man das jeden Tag zehnmal hört, dann kommt man sich irgendwann auch ein bisschen alt vor. Andererseits ist es cool, dass uns jetzt auch Leute feiern, die vorher noch nichts von uns gehört haben.

Guido Weiß: Es gibt natürlich ganze Generationen, die sind an dem Tag, als unser letztes Album rausgekommen ist, gerade geboren worden. Denen kann man das nicht vorwerfen, dass sie nicht auf dem Zettel haben, wer denn die Deppen von damals sind.

Jan Eißfeldt: Die hätten ja gleich einen Tag nach der Geburt in den Plattenladen krabbeln und sich die neue Platte holen können.

Weiß: Ich hab mal als Kind so einen Teddy mit Spieluhr bekommen …

Eißfeldt: Genau, und jetzt stell dir vor: Du ziehst den auf, und dann kommt da Beginner-Mucke raus.

In Ihrem neuen Stück „So schön“ feiern Sie Frauen. Welche Rapperinnen finden Sie denn so gut?

Eißfeldt: Nicki Minaj war, als sie rauskam, wirklich heftig, einfach raptechnisch. Aber die hat dann leider angefangen, Scheißmucke zu machen. Sie wollte dann halt eher den Großraumdiscosound, und das ist einfach echt schade. Das war die Letzte, bei der ich dachte: „Boah, unfassbar.“

Lisk: In Deutschland gibt es zurzeit ein paar Newcomer, die man beobachten sollte. Hayiti zum Beispiel.

Eißfeldt: Ich muss ja immer wieder Probs an Nena geben. Die hat „Fantasie“ von Samy Deluxe bei „Sing meinen Song“ so unfassbar gut gerappt. Auf Deutsch habe ich, glaube ich, noch nie eine Frau so rappen hören.

Sie haben eine Reihe von jüngeren Künstlern auf „Advanced Chemistry“. Können Sie denen noch Ratschläge erteilen?

Weiß: Es ist eher wichtig, was die uns so raten.

Eißfeldt: Das ist ein Geben und Nehmen. Man nimmt sich das, was die können und sehen, und saugt das auf. Auf der anderen Seite geben wir ihnen Erfahrung und das Wissen, das wir über die Zeit angesammelt haben. Die Leute, mit denen wir zusammenarbeiten, sind meist auch schon so weit, dass man denen auch nicht mehr erklären muss, was Nachhaltigkeit bedeutet.

Hier geht´s weiter mit dem Interview.


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