Dieses Startup fordert Unternehmen dazu auf, Geflüchtete einzustellen

Ich bin willensstark, habe Ausdauer und bin ein guter Teamplayer – das klingt zunächst nach den üblichen Floskeln bei Bewerbungsgesprächen. Doch in der neuen Integrationskampagne von Jung von Matt und des Startups Social Bee, sind diese Soft Skills aus der Geschichte von Geflüchteten begründet.

Die Kampagne ist provokativ, denn Social Bee wirbt mit krassen Fluchterlebnissen. Auf den Anzeigenmotiven sitzen die Männer in typischer Bewerberhaltung. Daneben ihre Qualifikationen. „Ich bin belastbar“, heißt es bei Naser aus Afghanistan. Wieso er sich die Eigenschaft zuschreibt? An der Grenze zur Türkei kam er nicht weiter. Drei Tage hatte er nichts zu essen.

Soft Skills Geflüchtete
©Social-Bee

Social Bee und Jung von Matt wollen dadurch ein Umdenken in den Unternehmen provozieren: Fluchterfahrung darf keine Schwäche sein. Die Idee für die Kampagne entstand im Gespräch mit den Geflüchteten selbst. „Wir waren überrascht von der Stärke, die die Geflüchteten ausstrahlen. Natürlich hat eine Flucht nichts Positives. Umso beachtenswerter ist die Art, wie sie damit umgehen. Wie dankbar und motiviert sie die Chance ergreifen, es hier zu schaffen“, sagt Jasmin Scharrer, Kreativ-Konzepterin bei Jung von Matt.

Zu den Anzeigemotiven kommen auch noch Videos. Dabei haben sich die Geflüchteten die Soft Skills selbst zugeschrieben. „In den Videos erzählen Bangalie, Qutayba, Zeray und Naser selbst, wo sie ihre Stärken sehen. Wir haben nicht gescripted, sondern dokumentieren lediglich die persönlichen, echten Erfahrungen der Protagonisten“, sagt Zarah Bruhn, Gründerin von Social Bee.

Einen Job zu finden, ist für Geflüchtete nicht einfach. Rund eine halbe Millionen sind laut Daten der Bundesregierung in Deutschland auf der Suche. Damit sie eine Stelle finden, müssen Unternehmen und Betriebe offener werden. An diesem Punkt will die Kampagne ansetzen und wandelt die Flucht aus der Heimat zur Stärke im Lebenslauf. Wortwörtlich nach dem Motto: „Soft skills can come the hard way“. Die Fluchtrouten sind dabei Teil der Gestaltung.

Extrem, provokant und irgendwie auch ein bisschen zynisch kommt die Integrationskampagne daher. „Den Tabubruch, nämlich die persönliche, ungeschönte Lebensrealität unserer Protagonisten zu zeigen und nichts zu verharmlosen, gehen wir bewusst ein. Die Wahrheit ist nun mal unbequem. Nicht  jedem muss die Kampagne gefallen, das ist okay“, sagt Bruhn.

Die Lebensläufe werden an Unternehmen in ganz Deutschland verschickt, um auf die Kampagne, aber auch auf die Situation der Geflüchtete aufmerksam zu machen. Social Bee ist ein Integrationsdienstleister. Das Startup vermittelt Geflüchtete an Unternehmen und stellt sich dem Bürokratiedschungel, auf den viele Firmen selbst lieber verzichten.

 


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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