#DeleteFacebook ist ein machtstrategischer Aktivismus der Großen

Elon Musks Abschied war der medienwirksamste. Als er Tesla und SpaceX einpackte und von Facebook verschwand, erzeugte das ordentlich Buzz. Andere Größen folgten: Firefox-Entwickler Mozilla, Lautsprecher-Produzent Sonos, die Commerzbank, das MedTech-Startup Vitabook. Nach dem Cambridge-Analytica-Skandal löschten sie ihre Facebook-Seiten oder kündigten an, eine Zeit lang keine Werbung mehr dort zu schalten. Bei Facebook dürfte also ordentlich Krisenstimmung sein. Dabei zeigt sich, dass #DeleteFacebook vor allem ein Aktivismus der großen Player ist.

Vordergründig wirtschaftsethisch

Bis jetzt können es sich viele kleinere Unternehmen einfach nicht leisten, sich aus dem Staub zu machen. Ein mittelgroßes Medienunternehmen ohne Facebook Reach? Stirbt – Moral und Ethik hin oder her. Daher ist auch klar, dass #DeleteFacebook nicht oder nur vordergründig wirtschaftsethisch getrieben ist: Dahinter steht ein schon länger bestehendes machtstrategisches Interesse, um Facebook Druck zu machen. Cambridge Analytica war da nur das Topping, das eine kritische Masse ins Rollen gebracht hat.

Denn 98 Prozent des Umsatzes macht Facebook durch Werbeanzeigen, ist seinen Kunden gegenüber aber höchst intransparent. Die Unternehmen wollen endlich verlässliche Informationen darüber, in welchem Kontext die Anzeigen ausgespielt werden, wer sie sieht, wie wirksam sie ist. Wenn #DeleteFacebook für die Großen also nicht nur werbewirksames Getröte in die Moralposaune ist und sie lang genug durchhalten, werden auf lange Sicht auch die kleinen, abhängigen Medien davon profitieren, die sich das Aufbäumen gegen Facebook im Moment noch nicht leisten können.

Es zeigt sich, dass es ein Gegengewicht geben kann, über das auch eines der mächtigsten Unternehmen der Welt nicht hinwegsehen kann.

 


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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