Im Testmarkt können Startups Live-Marktforschung betreiben

Der Weg in den Einzelhandel kann für Startups zur nervenaufreibenden Geduldsprobe werden: es kann Ewigkeiten dauern, bis das Produkt im Grundsortiment großer Supermärkte seinen Platz findet. Startups sind für Großhändler anfangs eher ein Risiko als eine sichere Cashcow, denn sie wissen nicht, wie das junge Unternehmen finanziell und vertriebstechnisch aufgestellt ist.

Anders im Testmarkt, der am Samstag in Berlin eröffnet hat ­– der erste Pop-Up-Store, in dem nur Produkte von Startups verkauft werden. Ganz egal ist dabei, ob das Produkt aus dem Food-, Tech- oder Bekleidungsbereich kommt. Der Testmarkt ist für alle offen, die Bock drauf haben. Der Name ist Programm: Jeden Tag kann eine neue Auswahl an Produkten getestet und bewertet werden. In dem Store wird auch Marktforschung für die teilnehmenden Startups betrieben. An Tablets können die potentiellen Käufer Fragen beantworten. Ausgewertet und analysiert wird das Ganze vom Berliner Institut für Innovationsforschung (Bifi).

Auch Omas kaufen ein

Die Idee für einen Ort, an dem der Kunde seinen Senf dazugeben soll, stammt von Ola Klöckner und Franziska Schetter, beide Gründerinnen des Getränkeherstellers Matcha You. „Je nachdem, welchen Background die Startups haben, unterschätzen viele den Wert von Marktforschung“, sagt Klöckner. Viele Gründer würden nur subjektive Entscheidungen treffen. „Die entscheiden sich für einen Namen, weil die den geil finden. Anstatt mal darüber nachgedacht zu haben, wer das Zeug am Ende tatsächlich kauft.“ Das sei nämlich nicht immer nur der junge Hipster, sondern auch mal die Oma von nebenan.

„Um wirtschaftlich stabil zu sein, müssen sich auch Normalos mit dem Produkt indentifizieren können“, sagt Anke Skopec vom Bifi. Ein Grund, weshalb der Testmarkt in den Wilmersdorfer Arkaden zu finden ist – einer typischen Mall mit heterogenem Klientel. Der Laden ist quasi eine Test-Spielwiese für Gründer. Anderer Name, anderes Packaging – die Unternehmen haben jeder Zeit die Möglichkeit ihr Produkt in anderer Aufmachung im Laden zu verkaufen.

Welche Tipps haben die Unternehmerinnen für Gründer?

  1. Research: Ehrlich überlegen, ob es noch Need gibt. Keiner braucht den 50. Fitnessriegel.
  2. Positionierung: Stärken und Qualitäten der Marke genau herausarbeiten. Niemand überzeugt einen Einkäufer, wenn er nicht sagen kann, was das Produkt einzigartig macht.
  3. Zielgruppe weit denken: Klar will man als Marke cool sein. Aber um im Supermarktregal überleben zu können, braucht man viele Käufer.
  4. Egal wie viele Fuckups man erlebt, immer locker bleiben, nicht die Flatter bekommen.

Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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