“Black Panther“ erster Film, den Saudis nach 35 Jahren Kinoverbot sehen werden

Black Panther ist der umsatzstärkste Superheldenfilm aller Zeiten, gewissermaßen historisch also. Nun soll er auch noch der erste Film sein, der nach 35 Jahren in Saudi Arabien öffentlich gezeigt wird. Dort herrschte seit den 80er Jahren ein von konservativen Klerikern eingeführtes Kinoverbot, das nun aufgehoben wurde. Am 18. April soll es eine Galapremiere in Riad geben, und die Kinokette AMC soll über die nächsten fünf Jahre 40 Kinos im Land eröffnen.

Der Fall des Kinobanns steht in einer längeren Reihe sozialer und ökonomischer Reformen, die Saudi Arabien unter Kronprinz Mohammed bin Salman im Rahmen der „Vision 2030“ angestoßen hat, für die er nun von vielen westlichen Partnern hofiert wird.

Und wirklich könnte man meinen: nach Jahrzehnten einen auf einer Comic-Vorlage beruhenden, US-amerikanischen Superheldenfilm im erzkonservativen Saudi Arabien zu zeigen – toleranter gegenüber westlicher Massen- und Konsumkultur geht’s ja wohl nicht! Und will er das Land mit den Sozialreformen nicht freiheitlicher machen? So schön die Nachricht für saudische Cineasten und Filmfans ist, sollten wir uns trotzdem noch nichts vormachen: Mohammed bin Salman ist ein Despot, der nach wie vor Bomben auf den Jemen wirft und Menschenrechtsaktivisten ins Gefängnis wirft.

Frauen sind in Saudi Arabien weiterhin einem männlichen Vormund unterstellt und auch die „Vision 2030“, die einige Beobachter als große PR-Kampagne kritisieren, stellt das grundsätzlich nicht infrage. Obwohl man perspektivisch auch anerkennen muss, dass selbst eine Aufhebung des Fahrverbots für Frauen oder ihr Besuch bei Sportveranstaltungen – beides kürzlich eingeführt – in diesem Land bisher unmöglich schienen. Es muss sich also zeigen, ob solche Reformen – falls ernst gemeint – einfach ihre Zeit brauchen oder tatsächlich irgendwann außer PR nichts gewesen sein wird.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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