Ollies Schwester: Nora Vasconcellos ist die erste Pro-Skaterin bei Adidas

Hart gesottener Hinfallsport für verpeilte Dudes mit schorfiger Männlichkeit? Stimmt nicht. Immer mehr weibliche Profis wie Nora Vasconcellos drängen in die Pro-Teams. Die Amerikanerin hat ein großes Ziel: die Olympiateilnahme in Tokio.

Wer die perfekte Parabel für so ziemlich alles im Leben sucht, wird natürlich beim Skateboarding fündig. Hinfallen, aufstehen, hinfallen, aufstehen, weiter, immer weiter. Auch mit blutenden Knien, klar: Beim nächsten Mal gelingt der Stunt ganz bestimmt. Wer wüsste das besser als Skateboarder?

Nora Vasconcellos kennt sich aus mit Hinfallen. Prellungen, Schürfwunden, Kopfverletzungen – alles schon da gewesen. Dann die anderen unguten Momente: Wie ihr Vater, ein Illustrator, pleiteging, die Familie das Haus verlor, die Eltern sich scheiden ließen, sie mit 18 Jahren ihr Skateboard unter den Arm nahm und von der Ostküste nach Kalifornien zog. Sie sagt: „Ich wusste: Die einzige Person, die dafür sorgen wird, dass du im Leben glücklich bist, bist du.“

Jetzt ist sie 25 und Pro. Die erste Frau, die von Adidas für das eigene Skateboardteam gesignt wurde. Das gehört mit zu den Aufstehmomenten, zu den Höhenflügen, wie auch fehlerfreie Rides durch den Skatepark. Der erste gestandene Backside Air in der Halfpipe. Dass es mittlerweile Dokus über sie gibt.

Bis sie nach Kalifornien zog, war Skateboarding für sie nur ein Hobby. Dort wird es zur Obsession. Vasconcellos verbringt jede freie Minute in den Skateparks. Übt stundenlang ein und denselben Trick – bis er endlich klappt. Nebenher jobbt sie in einem Skateshop. Eines Tages steht ihre Mutter vor der Tür. Sie zieht in die kleine Wohnung ihrer Tochter ein, dort teilen sie sich fortan das Schlafzimmer. Es herrscht trübe Stimmung. „Keine gute Zeit“, erinnert sich Vasconcellos.

An die Kindheit hingegen hat sie gute Erinnerungen: Sie wächst im ländlichen Massachusetts auf. Mit ihrem jüngeren Bruder brettert sie auf dem BMX durch die umliegenden Wälder, rollt auf Uralt-Boards über den Asphalt. Vasconcellos scheut nicht den Wettkampf mit den Jungs beim Soccer oder Hockey. Ihre wahre Leidenschaft gehört aber dem Skateboarding. Im Garten steht eine improvisierte Ramp. Ihr Vater malt damals ein Bild von ihr, wie sie einen Backside Air in der Pipe schafft. „Der hatte gar keine Ahnung, der hat das aus einem Buch oder aus dem Fernsehen abgemalt“, sagt sie. Trotzdem eine Prophezeiung, der Backside Air wird später ihr Lieblingstrick.

Wie Reggie Rocket

Ihr Vorbild damals ist Reggie Rocket aus der Zeichentrickserie „Rocket Power“. Darin verbringen vier Freunde den ganzen Tag mit Skaten und Surfen. Reggie ist das einzige Mädchen in der Gruppe. Sie ist selbstbewusst und mutig. Die „Geheimwaffe“ der Crew, wie Vasconcellos sagt.

20 Jahre später ist Vasconcellos dieser Reggie Rocket verdammt nahe. Im September 2017 gewinnt sie die Vans-Park-Series-Weltmeisterschaft in Schanghai. Im gleichen Monat nimmt Adidas sie unter Vertrag.

so happy to join the @swatchandsports team • photos by @juliangoulian • come say hi next week at the US open of surf/ Vans Park Series in HB ☀️☀️☀️

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Sie ist jetzt ein Pro. Sie wird für das bezahlt, was sie am liebsten macht, und zwar auf allen Kontinenten. Bei allen größeren internationalen Turnieren. Sie dreht Skatevideos in alten Industrieanlagen, designt ihr eigenes Board. Teil des Pro-Teams von Adidas zu sein bedeutet, dass sie sich erst mal keine Gedanken mehr darüber macht, woher das nächste Board kommt. Es bedeutet, sich mit den besten Skatern der Welt zu messen. Und vor allem bedeutet es, gutes Geld dabei zu verdienen.


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