Office Pop KW 18: Die neueste und beste Musik gegen das Food Coma

Viele Menschen brauchen im Büro was auf die Ohren, um produktiv zu sein. Daher wuseln wir uns jeden Montag durch relevante neue und alte Musik. Diesmal mit: Janelle Monáe, Ton Steine Scherben, Men Without Hats.

Album der Woche: Janelle Monáe – Dirty Computer

(Wondaland/Bad Boy/Atlantic, ab 27. April)

Das vierte Album der Amerikanerin ist eine cleane Platte voller poppigem Soul, RnB und Prince.

Obwohl der Titel anders vermuten lässt, gibt es diesmal kein Science Fiction Konzeptalbum der Sängerin und Schauspielerin, wie sie es 2010 mit „The ArchAndroid“ präsentiert hat – das ein funkiger Soundtrack zu Metropolis hätte sein können. Auf „Dirty Computer“ ist der Funk mit einigen Ausnahmen zugunsten von mehr leanen Beats etwas zurückgefahren, doch Janelle Monáe bleibt eine unglaublich talentierte Soul- und RnB-Sängerin. Auch ein weiteres Talent tritt auf ihrem viertem Album zutage: Ihre alle paar Songs weit eingestreuten Rhymes lassen eine veritable Rapperin erkennen, mit deutlichen Missy-Elliot-Anleihen auf verspielten Beats wie bei Santigold, wenngleich ihre Lines weniger effortless als ihre und weniger rotzig als die einer M.I.A wirken.

Sehr bestimmt sind aber die Dinge, die sie rappt: „If you try to grab my Pussy, this Pussy grabs you back“. Die Pussy ist politisch zu verstehen, die Themen des Albums sind Weiblichkeit, sexuelle Selbstbestimmung und das abgefuckte Mindset im trumpschen Amerika. Sehr treffend beschrieb diese Leistung der Musikexpress, der dem Album „offensive Pussy Power verpackt in satten Funk-Sound“ bescheinigte.

Spätestens zur Mitte der Platte, bei „Make me feel“, entdeckt Monáe diesen satten Funk wieder, der schon ihre früheren Platten ausgemacht hat und die ganze Sache wird überaus princy, sexy und vor allem dancy.

„Dirty Computer“ ist die perfekte Bergfestplatte, wenn zur Mitte der Woche hin die Freude auf’s Wochenende bereits wieder steigt.

Weitere heiße Alben diese Woche:

Drangsal – Zores

Sigur Rós – Route One

Songs, die wir lange nicht gehört haben: Ton Steine Scherben – Macht kaputt, was euch kaputt macht

Was könnte es besseres geben, als sich am 1. Mai auf die rebellischen Tage als kleiner Vorstadtpunker zu besinnen, dem Kapitalismus und der Maschinerie zu entsagen, in der er einen gezogen hat und voller Inbrunst diese Musik gewordene Mutter aller Protestparolen zu schreien: „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“.

Egal wie corporate ihr heute unterwegs seid: die rohe, dunkle und treibende Energie dieses frühen Scherbensongs und die noch ungezügelte und nicht kanalisierte Wut des jungen Rio Reiser bereiten jedes Mal auf’s Neue Gänsehaut.

Songs, die uns aus dem Food Coma hauen: Men Without Hats – Safety Dance

Als der Frontmann der Synthie-Popper Men Without Hats, Ivan Doroschuk, einmal wegen zu heftigem Pogo aus einer Disco geflogen war, schrieb er den „Safety Dance“. Eigentlich also ein Protestsong gegen die neue Türsteher-Prüderie in den aufkommenden New-Wave-Schuppen. Als Protestsong fehlt dem Lied zwar die nötige Aggressivität, besticht aber dafür durch die Tatsache, dass man beim Hören eigentlich nichts anderes mehr tun möchte, als wild durch’s Büro zu hüpfen.

Die besprochene Musik findet ihr wöchentlich geupdated auf unserer Spotify-Playlist:

 

 


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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