Office Pop KW 17: Die beste, coolste, neueste Musik gegen das Food Coma

Viele Menschen brauchen im Büro was auf die Ohren, um produktiv zu sein. Daher wuseln wir uns ab jetzt jeden Montag durch relevante neue und alte Musik. Diesmal mit: Die Nerven, Can, Spandau Ballet.

Album der Woche: Die Nerven – Fake

(Glitterhouse/Indigo, ab 20. April)

Wer bei Joy Division in die musikalische Grundausbildung gegangen ist und alt genug, um mit Dirk von Lowtzows (Tocotronic) und Rio Reisers (Ton Steine Scherben) Texten aufgewachsen zu sein, den assoziiert man vielleicht mit der „am miesesten gelaunten“, aber nicht unbedingt mit der derzeit vielleicht wichtigsten Rockband Deutschlands. Wobei: Lassen wir nicht gerade wieder kollektiv alle Hoffnung fahren? Ist es ein Zufall, dass die dunklen Motive aus Wave und Postpunk eine Renaissance erfahren, die auch Die Nerven uns auf ihren ersten beiden professionellen Studioalben in aller Kaputtheit und Depression um die Ohren geballert haben?

Aber es gibt Hoffnung: Die Nerven sind lauter geworden, die Depression scheint der Wut über die Unveränderlicheit der Dinge gewichen zu sein: „Lass alles los // Gib‘ alles frei // Nichts bleibt“, schreit Max Rieger in „Frei“ über ein dickes, verzerrtes Gitarrenbrett. Überhaupt scheinen Rieger, Julian Knoth und Kevin Kuhn einen Ausflug in die schwer riff-lastigen 90er angetreten zu haben, als alternative Rockmusik durch Nirvana oder Pearl Jam poppiger wurde.

So laut und hoffnungslos es auf „Fake“ manchmal wird („Alles falsch“, „Aufgeflogen“), so versöhnlich und ruhig ist das letzte, titelgebende Stück: „Ich habe Algorithmen, die alles erklären // Multiplikatoren, um alles zu vermehren // Ein Funken im System, the War inside // Her mit euren Lügen // her mit eurem Leid“

Wer montags etwas vergrämt in’s Office kommt, Fake hält euch auf jeden Fall wach.

Weitere heiße Alben diese Woche:

Kimbra – Primal Heart

Alexis Taylor – Beautiful Thing

Songs, die wir lange nicht gehört haben: Can – Vitamin C

Viele scheinen eine der einflussreichsten Bands, die jemals aus dem Pott gekommen sind, vergessen zu haben. Großer Ruhm war Can hierzulande ohnehin nie beschieden und die Band fristete aus Mainstreamsicht eher ein Schattendasein als Referenz und Impulsgeber für kommerziell erfolgreichere Acts. Gerade diejenigen aber, die nach verspielten Impulsen im Office suchen, sei „Vitamin C“ angeraten – das vielleicht poppigste und ziemlich funkige Stück der verkopften Kraut-Prog-Formation. Diejenigen, die es repetitiv brauchen, um was geschafft zu bekommen, achten auf die präzise Arbeit von Schlagzeuger Jaki „das Uhrwerk“ Liebezeit.

Songs, die uns aus dem Food Coma hauen: Spandau Ballet – Gold

Wo wir heute schon bei Superlativen sind: Spandau Ballets „Gold“ gehört zweifellos zu den besten Popsongs, die je geschrieben worden sind (auch, wenn der Autor dieser Zeilen weiß, das er mit dieser Meinung wohl etwas abseits steht). Dieser Song hat alles, was ein guter Song braucht: Er hat Drama, Sexappeal, 80s Synthesizer und handelt im weitesten Sinne von Gold. Wenn euch dieser Song nicht aus dem Food Coma katapultiert, tut es kein anderer (gut, das ist übertrieben, aber es macht Sinn, gleich mit dem Maximum zu starten. Von hier aus kann man sich nur noch steigern).

Die besprochene Musik findet ihr wöchentlich geupdated auf unserer Spotify-Playlist:

 

 


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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