Krypto-Startup täuscht Flucht ins Ausland vor, um auf Missstand aufmerksam zu machen

Große Aufgregung am Mittwoch unter Kryptonerds, Startup- und Investment-Afficionados: Das gehypte Frankfurter Fintech Savedroid hatte bei seinem ICO von rund 35 000 Investoren zwischen 35 und 40 Mio. Euro eingefahren. Kurz darauf war bei dem „Sparbuch für Kryptowährungen“ niemand mehr erreichbar. Auf der Website prangte ein hämisches Southpark-Meme mit „AANNND IT’S GONE“, dazu drüben auf Twitter ein Post des CEO Yassin Hankir, das ihn grinsend am Flughafen zeigt, daneben mit Bier an einem ägyptischen Strand.

Savedroid Scam

Geil, astreiner Exitbetrug, die Kohle der Investoren ist weg. Aber: der Wirtschaftskrimi wird wohl doch nicht geschrieben, denn: alles nur Fake oder, wie Savedroid selbst sagt, „eine drastische Kampagne, die wir abgezogen haben“, um auf ein Security-Problem im Kryptomarkt aufmerksam zu machen.

Gut, ein Plädoyer für mehr Regulierung also in einer neuen Branche, die der Gesetzgeber noch nicht so ganz versteht und daher zugegeben von vielen Scams heimgesucht wird. Hätten die drei Co-Founder mal Marketing machen sollen, denn in Sachen Maximalaufmerksamkeit ist die Aktion schon ziemliches Gold. Eigentlich.

Denn ist es wirklich so geil, so etwas in einem so nervösen Bereich wie dem Kryptomarkt abzuziehen, wo jede kleine Aktion, jede Äußerung irgendeines hohen Tiers und jeder Fehltritt sofort zu massiven Kurseinstürzen führt? In einem Markt, der so sehr von Vertrauen lebt, eben weil er so unreguliert ist? Yassin Hankir gibt in einem Erklärungsvideo ja quasi selbst zu, dass solche Aktionen den ganzen Markt zerstören könnten.

Hinzu kommt, dass Savedroid die Aktion nicht dazu nutzt konkret Akteure zu addressieren und anzusprechen, wie eine Regulierung vielleicht aussehen sollte. Stattdessen ergeht sich Hankir darin zu erzählen, wie das eigene Unternehmen Savedroid zu einem besseren Kryptomarkt beitragen kann, um sich als Berater in Kryptofragen zu positionieren. Es ist ein reines Marketingvideo.

Dass der Kryptomarkt hoch riskant ist und in Sachen Regulierung Handlungsbedarf besteht, dürfte auch ohne die Savedroid-Aktion Common Knowledge sein.

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Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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