DIY-Internet: Die Netzneutralität ist tot – es gibt aber eine Alternative

Sehen wir einer neuen DIY-Internetkultur entgegen, die wir aus den Pioniertagen des Internets kennen? Seit die Federal Communications Commission (FCC) unter Ajit Pai beschloss, die Netzneutralität abzuschaffen, werden sogenannte Vermaschte Netze wieder stärker diskutiert, um sich von den großen Providern unabhängig zu machen. Denn seit Montag können Verizon, Comcast oder AT&T mit den Zugängen der User, über die sie meist über Breitband mit dem Internet verbunden sind, machen was sie wollen. Sie werden dadurch zu Gatekeepern im wahrsten Sinne, die Zugang zum Internet nach Belieben einschränken können.

Wie sich die Entwicklungen auf Europa auswirken werden, ist noch unklar. Daher setzen sich mehr Hacker, Organisationen und Startups mit Vermaschten Netzen auseinander. Das sind Netzwerke aus miteinander vernetzten Endgeräten, beziehungsweise Netzwerkknoten, die Informationen untereinander weitertragen. Antennen auf Gebäuden vernetzen dann weitere Gruppen von Endgeräten miteinander und es entstehen mehr Maschen. Sie werden oft genutzt, um abgeschiedene Gegenden mit dem Internet zu verbinden. Doch mehr davon entstehen seit der FCC-Regelung als Alternative, um weiterhin einen netzneutralen Zugang zu gewährleisten.

vermaschte Netze
Miteinander verbundene Endgeräte. Bild: Wikipedia

„Die FCC wirft uns praktisch in eine Zeit zurück, in denen Provider bestimmen konnten, ob du Zugang zu BitTorrent oder Skype bekommst“, sagte Damian Bradfield, Präsident und CMO des Filehosting-Diensts WeTransfer zu Businessinsider. Auch sein Unternehmen baut in einem Pilotprogramm gerade ein völlig dezentrales Netzwerk aus Wireless Routern auf, in dem vernetzte Haushalte quasi selbst zum Provider werden. Zusammen mit Community Broadband Project stellen sie Router und Antennen zur Verfügung, zunächst in einer Gegend in Los Angeles. Man wolle sehen, wie die Leute auf eine neue Idee reagieren.

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Voll vermaschtes Netzwerk, in dem jeder Knoten mit jedem Knoten verbunden ist. Bild: Wikipedia

Dabei ist die Idee alles andere als neu: WeTransfer geht einen Weg, der nah an das Mindset der Anfangstage des Internets, in die „Bau dein eigenes Netz“-Tage führt und viele Projekte haben in den letzten Jahren ähnliche Netzwerke initiiert: Es gibt das NYC Mesh, die Detroit’s Equitable Internet Initiative oder das Community-Netzwerk Guifi.net in Spanien, das seit 2004 auf mehr als 30 000 Nutzer gestiegen ist. FreiFunk ist in Deutschland aktiv. Bei Commotion Wireless gibt es einen Guide für Menschen, die ein eigenes Community-Netzwerk aufbauen wollen und bei LibreMesh gibt es die nötige Firmware zum Download. Ein dezentrales Internet aus Vermaschten Netzen wäre weniger anfällig für Regulierungen, die die Neutralität des Netzes betreffen.

Das Potenzial für ein freies Internet ist riesig. Trotzdem handelt es sich noch um eine Nische. Das Problem: der Aufbau und der Zugang zu so einem Netzwerk ist kompliziert und kostspielig. Dass nun auch Firmen wie WeTransfer mit Pilotprojekten die Technologie für sich entdecken zeigt aber, dass der Fall der Netzneutralität durch die FCC eine ganz neue Notwendigkeit geschaffen hat.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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