Wäre ein Bezahl-Facebook ein besseres Facebook?

Facebook tut dies, Mark Zuckerberg sagt jenes, Sheryl Sandberg schweigt – es ist ja neuerdings wieder schwer en vogue täglich über Facebook zu berichten. Klar also, dass wir da auch mit am Start sind. Es ist ja auch ziemlich relevant, was nach dem Cambridge Analytica-Skandal so alles passiert in den Menlo Park Headquarters. Und da heißt es auf einmal bei Bloomberg, man denke dort doch tatsächlich irgendwie so ein bisschen über eine werbefreie Bezahlversion nach.

Wie bitte, was ist mit der zuckerbergschen wir-nutzen-alle-Daten-von-jedem-Philosophie, die vom Gratis-Mindset der User lebt? Aber langsam, bis jetzt wurde intern nur etwas Marktforschung betrieben, ob Nutzer überhaupt bereit wären für ein bisschen Privatsphäre zu zahlen. Das waren sie nämlich bis jetzt nicht, doch nach Cambridge Analytica herrscht eben mehr Druck, das eigene Geschäftsmodell, das im vergangenen Jahr mit Werbung 41 Mrd Dollar erwirtschaftet hat, zu hinterfragen.

Social Media funktioniert doch immer gleich

Dabei kann man sich ja schon fragen, ob ein Bezahl-Facebook nicht sogar ein besseres wäre. Stellen wir uns ein Facebook vor, das weiterhin all die Benefits für uns bereithält – Vernetzung, Information, Sichtbarkeit, Selbstdarstellung, you name it – jedoch ohne lästige Drittparteien, die dafür irgendwelche Sachen mit unseren Daten anstellen. Klingt ja schon irgendwie toll. Die Währung, mit der wir bisher den Dienst bezahlt haben, würde einfach ausgetauscht: ein paar Scheine für Privatsphäre statt datenmäßig blankziehen.

Social Media funktioniert doch eigentlich immer gleich: Es gibt drei Interessensgruppen, den gewinnorientierten Dienstleister, User, die den Dienst möglichst kostengünstig nutzen wollen und Drittanbieter, die bezahlen, wozu der User nicht bereit ist und dafür via Targeting möglichst personalisierte Werbung ausspielen wollen. Und trotzdem gibt es Geschäftsmodelle, die sich nicht ausschließlich auf das Ausschlachten von Userdaten stützen.

Freiheit – ein kleines bisschen

Spotify zum Beispiel fährt ein Modell, das ein Bezahlsystem vorsieht, ohne dabei zahlungskräftige Werbekunden zu verprellen: Daten der Umsonst-User werden auch für Werbezwecke genutzt, die der zahlenden nicht, bzw. nur in sehr anonymisierter Form. Beide Gruppen profitieren aber von der durch die erhobenen Daten personalisierten Dienstleistung – sprich, Musikvorschläge, Playlists, etc. Der Streamingdeanst kann sich so auf zwei Monetarisierungsstrategien stützen und gibt Usern gleichzeitig ein Stück weit Entscheidungsfreiheit.

Klar, der egalitären Hacker-Vision eines für alle zugänglichen freien Internets mit Access all Areas für alle Menschen widerspricht das. Aber erstens ist die doch eh schon lange tot und zweitens: seien wir ehrlich, welche anderen Möglichkeiten für ein besseres Facebook gibt es sonst, solange es sich nicht zu einer Weltretter-NGO wandelt, der Profit egal ist? Denn darum geht es doch, wenn es heißt man wolle so viele Menschen wie möglich in gleich welcher Einkommensschicht erreichen: um den eigenen Profit. Nicht um Menschenfreundlichkeit.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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