Tech-Beef des Tages: Spiegel teilt gegen Facebook aus

Man ist ja oft so beeindruckt von Menschen, die viel erreicht haben und vergleicht dann gerne, was man selbst in diesem und jenem Alter stattdessen so gemacht hat. Bis man erkennt, dass auch die Mark Zuckerbergs und Evan Spiegels dieser Welt doch eigentlich genau dieselben Copy Cats und beleidigten Leberwürste sind wie wir selbst.

Dass Facebook zentrale Features wie die Stories bei Snapchat geklaut hat ist jedem tech-affinen Menschen bekannt, dass Snap-CEO Evan Spiegel sich penetrant und unglaubwürdig unbeeindruckt davon gibt, auch. Doch nun hat er im Rahmen des Cambridge-Analytica-Skandals doch mal einen Stich in Richtung Zuckerberg, Sheryl Sandberg und Co. abgesetzt. Auf der Code Conference warf er Facebook vor, nach den Geschehnissen vor allem Augenwischerei anstatt echter Verbesserung des Datenschutzes betrieben zu haben. „Wir würden uns wirklich freuen, wenn sie auch unsere Datenschutzrichtlinien kopieren würden“, sagte Spiegel, und dann in Richtung Sheryl Sandberg, die direkt nach ihm auf der Bühne stehen sollte: „Vielleicht verkündet Sheryl gleich genau das“.

Facebooks Sicherheitschef Alex Stamos reagierte darauf auf Twitter und wollte vor allem klargestellt wissen, dass „Snapchats implizites Versprechen, dass Fotos wirklich verschwinden würden“ zur massenhaften Verbreitung von Rachepornos geführt habe. Aktuelle Vorwürfe sind das jedoch nicht.

Tjoah, was soll man sagen. Dass beide Unternehmen mit unseren Daten Geld verdienen, macht sie nicht gerade zu Datenschutzengeln. Was aber auch stimmt: Snapchat war vor Manipulationen – zum Beispiel aus Russland – oder vor großen Skandalen, was die missbräuchliche oder lasche Nutzung unserer persönlichen Daten angeht, eigentlich immer verschont geblieben.

Das liegt auch an den alternativen Monetarisierungsmodellen, die sich vom klassischen Ausspielen personalisierter Werbung etwas unterscheiden. Snapchat setzt vor allem auf Firmenkanäle, Promotion über die Stories und sponsored Filter. Unternehmen sind hier also mehr selbst in der Pflicht, anstatt sich bloß auf die Auswertung des gesamten Nutzerverhaltens, persönlicher Vorlieben und Daten der User zu verlassen.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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