Niederländische Studenten entwickeln recyclebares Auto

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind Trending Topics und das nicht erst seit Birkenstocks, Repair Cafés und Schuhe aus weggeworfenem Kaugummi fester Bestandteil im Leben eines jeden Hipsters sind. Und selbst, wenn uns ein quasi folgenlos gebliebener Abgas- und Dieselskandal anders vermuten lässt, tut sich auch was in der Autobranche – sie muss nicht nur imagemäßig in Sachen Nachhaltigkeit nachziehen. Elektroauto kann ja mittlerweile jeder.

Das studentische Ecomotive-Team der niederländischen Universität Eindhoven setzt deswegen einen drauf und arbeitet an einem Prototypen für ein recyclebares Auto: Noah.

Während die üblichen PKW-Karosserien aus Aluminium oder Karbon sind, was in der Produktion zu hohen Emissionen führt, basiert Noah auf organischen Stoffen: „Das Material setzt sich aus einer Kombination aus Flachsfasern und Zucker zusammen. Im Grunde genommen wird das Auto aus Pflanzen gemacht“, erklärt Cas Verstappen vom Ecomotive-Team.

So sieht es aus, wenn Flachsfasern und Zucker miteinander zueinander finden. © HOWDO Creative Direction

Gehäuse und Teile der Innenausstattung sind biologisch abbaubar. „Mit Noah entwickeln wir ein Auto, das sowohl in der Produktion, der Nutzung und eben auch in der Entsorgung komplett nachhaltig ist“, so Verstappen. Einzig allein die Lithium-Batterien, mit denen der Motor betrieben wird, sind nicht recyclebar.

Anfang Juli soll der Prototyp, der von den Ingenieuren des Teams per Hand angefertigt wird, fertig sein. Dann braucht das Auto nur noch die Lizenz für die Straße. Wenn das klappt, wollen die Studenten Noah großen Autoherstellern vorstellen. „Unser Hauptziel ist nicht, dass jeder auf der Welt später mal mit Noah rumfährt. Vielmehr wollen wir die Automobilbranche dazu anregen, unser Material zukünftig für ihre PKWs zu benutzen“, sagt Verstappen.

Und was, wenn Noah ausgedient hat?

Die Studenten könnten sich aber auch eine Massenproduktion des Autos vorstellen – allerdings nur in Verbindung mit einem Car-Sharing-Modell. Fahrtauglich wäre es dann auch nur im typischen Stadtverkehr, maximal Landstraße, denn Noah ist ein kleiner Zweisitzer und bringt es auf ungefähr 100km/h.

Und was passiert, wenn das Auto dann tatsächlich mal ausgedient hat? Da es hauptsächlich aus zwei Materialien besteht, können die relativ unkompliziert voneinander getrennt und recycelt werden. Allerdings braucht es für diesen Prozess industrielle Kompostieranlagen. Den Wagen also einfach auf dem Komposthaufen parken, wenn er einen Totalschaden hat, ist nicht. „Alternativ könne man den PKW sonst auch in viele Einzelteile zerlegen und aus ihnen Neues schaffen, wie Stühle oder Arbeitsplatten“, sagt Verstappen.

Unterstützt wird das Ecomotive-Team in der Projektumsetzung von Unternehmen, die ihnen mit Material und Geld aushelfen. Außerdem setzen die Studenten auf Crowdfunding.


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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