Office Pop KW 19: Die neueste und beste Musik gegen das Food Coma

Viele Menschen brauchen im Büro was auf die Ohren, um produktiv zu sein. Daher wuseln wir uns jeden Montag durch relevante neue und alte Musik. Diese Woche mit René Krempin und Julian Daum.

Die Alben der Woche

DJ Koze – Knock Knock

(Pampa Records, ab 4. März 2018)

Stefan Kozalla, international gefeierter DJ und Produzent, Exzentriker und musikalisches Chamäleon. Laut den Fachzeitschriften Spex und Intro ein Genie. Als DJ Koze legt er mit „Knock Knock“ nach fünf Jahren sein drittes Studioalbum und gleichzeitig einen heißen Kandidaten für das Popalbum des Jahres vor. Mit Gästen wie Róisín Murphy, José Gonzales oder Sophia Kennedy hat er nicht nur die Front Row zeitgenössischer Popmusik zu sich aufs Album eingeladen, sondern lässt mit ihnen ein ekklektisches Meisterwerk entstehen.

In „Moving the Liquid“ bekommen wir einen ruhigen french getouchten Track präsentiert, „Colours of Autumn“ ist solider und smoother RnB mit Lines von Arrested-Development-Rapper Speech. Überhaupt halten sich Kozes Beats höflich im Hintergrund, stark im Fokus stehen dafür die vielen housigen und souligen Samples, aus denen manche Tracks zusammengesetzt sind und teilweise an das Avalanches-Retro-Meisterwerk „Wildflower“ von 2016 erinnern.

Damit ist „Knock Knock“ vielschichtiger als der insgesamt clubbigere Vorgänger „Amygdala“, aber trotz seiner vielen Referenzen konzeptuell konsistenter. Man hört hier definitiv einen entspannteren, in sich ruhenden, manchmal fast schon esoterischen DJ Koze.

Ein perfektes Album für die ersten schönen, frühen Sommertage, das in diesem Jahr wie kein anderes darüber hinwegtrösten dürfte, dass wir trotz Bombenwetter im Büro sitzen müssen.

Yung Hurn – 1220

(Live From Earth, ab 4. Mai 2018)

Yung Hurn hat es vollbracht und am vergangenen Freitag sein erstes Studioalbum gedroppt. „1220“ heißt das gute Stück (die Postleitzahl seiner Hood in Wien) und liefert das, was seine Fans an ihm so sehr schätzen: Vernuschelte, launische Raps über Kokain, Frauen und Voyeurismus im Zeitalter von Insta-Stories.

Fakt ist: Der Wiener Rapper ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Künstler zurzeit. Die Klickzahlen seiner Musikvideos gehen innerhalb kürzester Zeit in die Millionenhöhe. Die Konzerte sind brechend voll. Kooperationen mit Unternehmen wie Zalando sind auch schon gesignt.

Fakt ist aber auch: An Yung Hurn scheiden sich die Geister. Viele halten ihn für eine schrille Persiflage von Gangsta-Rap. Wir finden: „1220“ kann man sich gut gönnen, man sollte aber nicht hinter jedem Vers eine tiefergehende Botschaft suchen.

Weitere heiße Alben diese Woche:

Brian Eno – Music for Installations

Plan B – Heaven before all Hell breaks loose

Songs, die wir lange nicht gehört haben: Pixies – Where is my Mind?

Es gibt nur wenige Songs, die das Lebensgefühl von angsty Teenagern so sehr eingefangen haben wie Joy Divisions „Disorder“, Nirvanas „Smells like Teen Spirit“ oder eben Pixies‘ „Where is my Mind“. Alles schien damals doch irgendwie verwirrend und beängstigend. Lasst euch mal wieder mitnehmen in eine Zeit, als die großen Fragen des Lebens – welcher Job? Kinder? Bausparvertrag?! – noch ungeklärt waren, aber eben auch irgendwie egal. Und tut das in dem Wissen, dass die Welt heute – in euren Zwanzigern und Dreißigern – doch gar nicht mehr so unheimlich ist.

Songs, die uns aus dem Food Coma hauen: The Chemical Brothers – Galvanize

Dieses Brett der Big Beat Veteranen haut euch weg.

Was gar nicht so viele wissen: das Hauptthema des Songs – also die Hook, die euch so mit dem Kopf wackeln lässt – stammt aus einem Chaabi, also aus der Marokkanischen Volksmusik. Das Sample wurde Najat Aatabous Song „Hadi Kedba Bayna“ entnommen.

Wie immer findet ihr die besprochene Musik wöchentlich geupdated auf unserer Spotify-Playlist:


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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