Druck als Führungsstil: Wenn Mitarbeiter Angst vor ihrem Chef haben

Flache Hierarchien, mit dem Chef per Du – das gehört bei vielen Firmen zur Unternehmenskultur. Aber es gibt auch noch die alte Schule, die Haudrauf-Mentalität, den Alpha-Boss. Ein Markenzeichen dieser Spezies: Wenig Ahnung von einer positiven Feedback-Kultur und überhaupt Mitarbeitermotivation. Auch wenn sich die Sprache hier am männlichen Geschlecht bedient, dieses Bild trifft auch auf weibliche Vorgesetzte zu.

Klar, dass da so mancher Arbeitnehmer das Büro nicht gerade zu seinem Lieblingsort zählt. Laut einer Studie des National Business Research Institutes sind cholerische Vorgesetzte, die permanent Druck ausüben, einer der Motivationskiller schlechthin – auch bei guten, erfahrenen Mitarbeitern. Und nicht nur das: Mitarbeiterführung wie im Bootcamp führt dazu, dass Angestellte Angst vor ihrem Chef bekommen. Und das ist schlecht. Sehr schlecht.

Wieso Druck ausgeübt wird

„Autoritäre Führung bedeutet, dass Führungskräfte ihre Autorität und Kontrolle über Mitarbeiter betonen und absoluten Gehorsam fordern“, erklärt Nale Lehmann-Willenbrock, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Hamburg. Häufig geht so ein Führungsstil mit narzisstischen, machiavellistischen und psychopathischen Charakterzügen einher. Im Endeffekt ist der Chef arrogant, manipulativ, versessen auf Macht und rücksichtslos.

Nicht gerade die besten Qualitäten, um ein Team zum Erfolg zu bringen. Auslöser für so einen Führungsstil muss nicht nur die eigene Persönlichkeit sein. Möglicherweise steht der Vorgesetzte selbst unter Druck, muss Unternehmensziele erreichen bei miesen Rahmenbedingungen. “Dieser Stress wird dann an die Mitarbeitenden weitergegeben. Autoritäre Führung kann auch ein Zeichen von Überforderung sein“, so Lehmann-Willenbrock.

Wenn sich dann die Mitarbeiter auch noch selbst unter Druck setzen, weil sie Angst haben Fehler zu machen und ihren Job zu verlieren, dann ist der Teufelskreis komplett.

Kein seltenes Problem

Auch ein Business Punk-Leser, der anonym bleiben möchte, musste schon mit so einem Vorgesetzten Bekanntschaft machen. Seine Erfahrung: „Gespräche über unangenehme Themen, wie nicht ausbezahlte Überstunden, Kostenrückerstattung für Firmenausgaben, Urlaubsanträge und Wünsche zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen hat man meistens vermieden, bis es nicht mehr anders ging. Man wusste, man darf sich erst mal einen Vortrag anhören, wie man es denn wagen könne, Dinge zu verlangen, die einem per Vertrag oder per Gesetz zustünden.“

Herrische Chefs gehören aber nicht nur zum Alt-Inventar großer Unternehmen mit festgefahrenen Strukturen. Auch in Startups kann man auf solch einen Führungsstil treffen, wie Leserin M. uns ihre Erfahrung mitteilt: “Unser CEO setzt auf die Ellenbogen-Raus-Taktik. Wer mithalten will, muss ständig online sein, auch am Wochenende. Er zieht offen über andere Team-Mitglieder her, macht die Arbeit nieder und spielt Machtspiele.“

Die Folge: Die Dynamik im Team verschlechtert sich. Das Konkurrenz-Level steigt und es kommt zu Problemen zwischen den Mitarbeitern. So ein Arbeitsklima kann sehr belastend sein und im schlimmsten Fall zu einem Burnout führen. Außerdem verlassen deswegen gute Mitarbeiter die Firma. Genauer: Sie verlassen den Chef und suchen sich einen anderen, der ihre Arbeit wertschätzt.

Es besser machen als die Führungskraft

Was kann man also tun, wenn man Tag für Tag mit so einem Chef klarkommen muss und ihm nicht die Kündigung auf den Tisch knallen will? Frau Lehmann-Willenbrock rät: Das Gespräch suchen. Wenn es alleine nicht möglich ist, dann sollte man sich zur Unterstützung eine Vertrauensperson suchen oder sich mit anderen Mitarbeitern zusammenschließen. Allerdings sollte man es dann besser machen als die Führungskraft und sich nicht einfach nur über den autoritären Führungsstil beschweren. Auf ein konstruktives Gespräch zur Lösungsorientierung kommt es an, sagt Lehmann-Willenbrock. Fair enough. Dann kann der Vorgesetzte sein eigenes Verhalten reflektieren und bei Einsicht ein Coaching im Bereich Mitarbeiterführung auf die Agenda setzen.

Wie man es besser machen kann? Hier folgen acht Tipps, wie man Mitarbeiter zu mehr Leistungsbereitschaft bewegt.


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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