Office Pop KW 24: Die neueste und beste Musik gegen das Food Coma

Viele Menschen brauchen im Büro was auf die Ohren, um produktiv zu sein. Daher wuseln wir uns jeden Montag mit Office Pop durch relevante neue und alte Musik. Diese Woche mit Renè Krempin und Julian Daum.

Alben der Woche

SOPHIE – Oil of Every Pearl’s Un-Insides

(MSMSMSM, Future Classic, Transgressive, ab 15. Juni)

Zuckerwatte, Lollipops und ein Schuss geflüstertes Drama – so kitschig beginnt mit „It’s okay to cry“ das erste konzeptionelle Studioalbum der Produzentin SOPHIE. Das kurze Finale des Openers ist mit so viel Zuckerguss überträufelt, dass man sich fragt wie viel Künstlichkeit da noch kommen kann. Und plötzlich steht man im Stahlgewitter von „Ponyboy“ und „Faceshopping“, zwischen ohrenbetäubenden Machine Gun Drums, metallischen Synthies und sonstigen eingesträuten Störgeräuschen.

Dann, Synthie-Salven so kratzig wie ein Bett aus Cellophanpapier: der Track „Is it cold in the Water?“ fragt wie wir uns fühlen. „I’m freezing, I’m burning“. Unsicher: „Is it cold?“ in kühlstem Falsett. Ja, was ist uns, kalt oder warm? Schwer zu sagen, SOPHIE verlangt viel vom Hörer, denn sie schüttet alles über ihm aus. Hyperfeminin, hyperkünstlich, hyperopulent, alles an diesem Album ist Hyper, bis hin zum hypermainstreamigen Housetrack „Material“.

Zugegeben: Einfach ist dieses Album nicht und für anspruchsvolle Aufgaben am Schreibtisch eher ungeeignet. Wer aber gerade den Tisch voller stupider Tasks hat, die schnell abgerockt werden müssen, der höre dieses grandiose, laute, komplizierte, kratzige Album. Am besten jedoch mit Kopfhörern, um des Bürofriedens Willen.

jd

Nas – NASIR

Nas, Hip Hop’s Finest, hat wieder ein Album gedroppt: „Nasir“ heißt das gute Stück und ist eine Ode an Nas’ beste Zeiten als Rapper. In den Neunzigern veröffentlichte der mittlerweile 46-jährige Nasir bin Olu Dara Jones aus Brooklyn NYC mit „Illmatic“ und „It Was Written“ zwei Kronjuwelen des amerikanischen HipHops. Klassiker des Eastcoast-Raps.

An diese Erfolge konnte Nas danach nie mehr anknüpfen. Aber jetzt kommt eben „Nasir“. Ein Album mit reinen, straighten Beats und politischem Inhalt – in Trumpland angebrachter denn je. Auch geht es sehr persönlich zu. Nas reflektiert seinen eigenen Werdegang. Ach ja, Kanye West war an der Entstehung des Albums auch beteiligt. Yeezy hat aktuell überall seine Finger mit im Spiel. Fazit: „Nasir“ ist ein Muss für alle Rapliebhaber.

rk

Weitere heiße Alben diese Woche:

Beyoncé & Jay Z – Everything is Love

Blushh – Thx 4 Asking

Songs, die wir lange nicht mehr gehört haben

Tocotronic – Gehen die Leute

So viel Verachtung in einem Song. Gegen Leute, die auf der Straße zu langsam gehen. Natürlich nicht, Tocotronic und Verachtung? Come on. Natürlich ist das eine Allegorie – jugendlicher Drang  gegen die Trägheit der Welt. Tocotronic sind ein paar Semester älter und ruhiger geworden, wir auch. Aber gegen Trägheit wird man doch wohl immer noch was haben dürfen.

Songs, die uns aus dem Food Coma hauen

Weezer – Africa

Dass die Powerchord-Schrammler von Weezer einmal Totos aus der Zeit gefallenen Überhit „Africa“ covern würden hört sich absurd an. Als es dann jedoch so weit war und der Kampagne des jungen Fans @weezerafrica nachgaben, klang es wie das offensichtlichste und meist überfällige Cover aller Zeiten. Ging zumindest mir so.

Wie immer findet ihr die besprochene Musik wöchentlich geupdated auf unserer Spotify-Playlist:

 


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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