Jeff Goldblum: “Für einen Spätentwickler habe ich es weit gebracht“

Haben Sie Ihr schauspielerisches Können auch schon mal privat eingesetzt? Beim Flirten zum Beispiel?

Ja, was glauben Sie denn? Da sind die Übergänge ja oft fließend. Aber das geschieht eher unterbewusst. Ich habe keine Flirt-Agenda, wenn Sie das meinen. Man sollte auch sehr aufpassen, dass man mit seinen Emotionen nicht durcheinanderkommt: Vor der Kamera ist alles ein So-tun-als-ob. Im richtigen Leben ist man hoffentlich wahr und echt. Meine jetzige Frau habe ich jedenfalls ohne Schauspieltricks kennengelernt.

Wo sind Sie Ihrer Frau zum ersten Mal begegnet?

In einem Fitnessstudio am Sunset Boulevard. Ich sah sie am anderen Ende des Raums, ging zu ihr hin, stellte mich vor, und dann haben wir uns sehr angeregt unterhalten. Das war vor gut sieben Jahren. Da trat sie noch als Schlangenfrau und Luftakrobatin am Trapez auf. Emilie hatte auch eine sehr erfolgreiche Karriere als Bodenturnerin. Im Jahr 2000 war sie sogar bei den Olympischen Spielen in Sydney für Kanada mit dabei. Emilie wuchs nämlich in Toronto auf. Jetzt arbeitet sie gelegentlich beim Film. Sie hat übrigens Emma Stone in „La La Land“ bei den meisten Tanzszenen gedoubelt.

Ihre Frau ist 30 Jahre jünger als Sie. Wie geht man mit so einem Altersunterschied eigentlich um?

Wenn man sich wirklich liebt und das Gefühl hat, dass man wirklich zusammengehört – oder wie wir in Amerika sagen: seine „Seelenverwandte“ gefunden hat –, dann spielt das Alter keine Rolle. Emilie ist die Frau meines Lebens. Vor vier Jahren haben wir schließlich geheiratet. Und ich kann Ihnen versichern: Es ist mein dritte und letzte Ehe!

Sie sind mit 62 zum ersten Mal Vater ge­worden.

Das ist das größte und schönste Glück in meinem Leben. Ich hätte mir das nie träumen lassen, aber mit Emilie ist eben so ziemlich alles anders. Mittlerweile bin ich stolzer Vater von zwei wunderbaren Kindern: Charlie Ocean ist nun schon fast drei, und vor 15 Monaten kam River Joe zur Welt. Das ist übrigens der perfekte Grund für mich, morgens früh aufzustehen und einen sehr gesunden Lebensstil zu pflegen: damit ich meine beiden Kids noch lange durchs Leben begleiten kann.

Wie sieht denn der normale Tagesablauf im Hause Goldblum aus?

Wir gehen zusammen um neun Uhr abends ins Bett, spätestens um halb zehn. Ich stehe morgens als Erster auf. So zwischen fünf und sechs. Da übe ich dann zuerst mal Klavier. Danach machen meine Frau und ich gemeinsam Yoga und Gymnastik. Sie können sich nicht vorstellen, wie beweglich meine Frau ist. Dann wecken wir die Kleinen. Nach dem Frühstück um 7.30 Uhr fahre ich den Älteren in den Kindergarten, von dem ich ihn am Nachmittag auch wieder abhole. Dazwischen mache ich Besorgungen. Man soll ja jeden Tag mindestens 10 000 Schritte für seine Gesundheit tun. Die schaffe ich locker.

Klingt fast so, als hätten Sie gerade die schönste Zeit Ihres Lebens.

Das trifft es ziemlich genau. Was soll ich sagen? Mit 65 genieße ich mein Leben jeden Tag aufs Neue. Da kann ich eine gewisse Genugtuung nicht verhehlen. Ich bin nämlich das, was man einen Late Bloomer nennt. Und für einen Spätentwickler habe ich es wirklich weit gebracht. Ich fühle mich auf der Höhe meiner Kraft und werde als Schauspieler und auch als Klavierspieler immer besser. Hoffe ich zumindest. Meine Frau und meine Kinder halten mich jung. Wir sind glücklich und haben ein wunderschönes Familienleben.

Und dann kriegt man auch noch Klamotten von einem Luxus-Fashion-Designer geschenkt.

Sie sagen es. Es gibt ja tatsächlich Filmstars, die so tun, als würden sie unter der Last ihres Ruhms leiden. Ich gehöre nicht dazu. Mir ermöglicht die Schauspielerei schon lange ein sehr angenehmes und erfülltes Leben. Es geht auch nicht darum, am besten Tisch in einem Restaurant zu sitzen oder in eine TV-Talkshow eingeladen zu werden. Doch ich muss zugeben: Da bin ich gern der Chili auf dem Käse. Was wirklich für mich zählt, ist, wenn ich sehe, dass ich jemanden glücklich gemacht habe.

 

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 03/2018. Darin gehen wir der Frage nach wie Star-Investor Peter Thiel, der sich als Trump-Versteher unmöglich gemacht hat, so tief fallen konnte – und wie er es wieder nach oben schaffen will. Außerdem: Dossier Fußball. Genauer, zum Business mit, hinter und vor dem Spiel. Mehr Infos hier.


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