Neue Studie: Frauen im Vorstand verdienen besser als ihre Kollegen

Frauen verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen? Nicht, wenn sie als Vorstand in einem großen oder mittelständischen, börsennotierten Unternehmen tätig sind, wie eine neue Studie von Ernst und Young (EY) zeigt. Die Unternehmensberatung hat dafür Firmen untersucht, die in allen vier Aktienindizes der Deutschen Börse aufgelistet sind. Das sind DAX, MDAX, SDAX und TecDAX, die sich nach der Größe und den Technologiewerten eines Unternehmens richten.

Demnach haben Frauen in den Chefetagen im vergangenen Jahr im Schnitt 2,13 Millionen Euro verdient, während ihren männlichen Mittstreiter durchschnittlich 1,83 Millionen Euro ausgezahlt wurde. Das macht einen Unterschied von knapp 17 Prozent. Dieses Ergebnis umfasst alle vier Index-Klassen. Der Grund: Frauen in Vorstandspositionen sind immer noch keine Selbstverständlichkeit, deswegen aber heiß begehrt. Somit können sie in Gehaltsverhandlungen mehr Lohn rausschlagen.

Was ist diese Gleichberechtigung wert?

„In den Vorstandsetagen der DAX- und MDAX-Unternehmen ist die Lohnlücke geschlossen und die Gleichberechtigung bei der Vergütung bereits Realität“, teilt Jens Massmann, Vergütungsspezialist bei EY, in einer Pressemitteilung mit. Doch scheint diese Aussage nicht paradox, wenn man nocheinmal über den Grund der höheren Bezahlung von Frauen nachdenkt? In derselben Pressemitteilung heißt es nämlich: „Als Grund für diese Entwicklung nennt Massmann die verstärkten Bemühungen der Unternehmen, Frauen in ihr oberstes Führungsgremium zu berufen. Da geeignete Kandidatinnen jedoch schwer zu finden seien, steige ihr Marktwert und damit auch die Höhe ihrer Vergütung.“ Das heißt, Frauen bekommen mehr Geld, weil sie selten sind. Zudem kommen Männer dort schlechter weg. Was ist also eine Gleichberechtigung wert, die aus der Rarität von Frauen in Vorständen resultiert? Andererseits zeigt sich dadurch auch, dass es Unternehmen zunehmend wichtig ist, dieses Ungleichgewicht zu schließen. Warum sollten höhere Vergütungen also kein geeignetes Mittel sein?

Schaut man allerdings auf die kleineren Unternehmen des SDAX und des TecDAX, wird deutlich, dass Frauen im Vorstand immer noch deutlich weniger bekommen als ihre männlichen Kollegen. „Ein entscheidender Grund dafür sei, dass hier der Druck, Frauen im Vorstand vorzuweisen, weniger hoch sei als bei den stark unter Beobachtung stehenden DAX-Konzernen“, heißt es in der Pressemitteilung. Da herrsche Massmann zu Folge noch Nachholbedarf.

 


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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