Künstler will künstlichen Stern ins All schießen – doch die Wissenschaft protestiert

Ein künstlicher Stern soll ins All geschossen werden – das zumindest plant US-Künstler Trevor Paglen. Der „Orbital Reflector“ soll lediglich Sonnenlicht reflektieren und damit im Gegensatz zu anderen Satelliten keinerlei praktischen Nutzen haben. Seine Satellitenattrappe erregt die Gemüter von Astronomen. Diese befürchten, dass der Satellit nicht nur nutzlos, sondern sogar schädlich sein könnte. Sorgen bereitet den Wissenschaftlern neben der Vermüllung unseres Orbits vor allem die Lichtverschmutzung des Alls durch den diamantenförmigen Reflektor. Astrophysiker Jonathan McDowell vom Center for Astrophysics (CfA) verglich den Satelliten mit einer „neonfarbenen Werbetafel direkt vor deinem Schlafzimmer“.

Space Oddity

Nach Angaben der UN kreisen bereits mehr als 1800 Satelliten durchs Weltall. Sie sammeln Daten, helfen bei der Navigation oder spionieren fremde Nationen und Kommunikationswege aus. Paglens neuer außerplanetarischer Familienzugang soll von einer SpaceX-Rakete in den Weltraum geschossen werden. Noch hängt jedoch alles von der Erlaubnis der zuständigen amerikanischen Behörde ab. Die könnte durch eine Genehmigung einen Präzedenzfall setzen und den Weg für weitere Weltraumkunst ebnen.

Kunst, du bist mir teuer

Auch die Finanzierung steht noch nicht. Über Kickstarter sammeln Paglen und das Nevada Museum of Art Geld für die Aktion. An die Gesamtkosten von rund 1,1 Millionen Euro kommen die Spenden jedoch noch lange nicht heran. Mit seinem Projekt will Paglen dazu anregen, mit „neuer Verwunderung in den Nachthimmel zu blicken, unseren Platz im Universum zu prüfen und neu darüber nachzudenken, wie wir auf diesem Planeten zusammenleben.“

Ob der Plan des Künstlers aufgeht, steht also noch in den Sternen. Oder auch nicht, wie man es nimmt. Ein von der Erde aus ohne Teleskop sichtbares Kunstobjekt wäre sicherlich etwas neues. Noch schöner ist allerdings der Blick aus dem Weltall auf die Erde. Und dazu haben wir schon das perfekte Werkzeug: die ISS.


Ernst Jordan

Ernst schreibt gelegentlich für den Postillon. Ansonsten bespielt er noch einen ausgesprochen wenig erfolgreichen Twitteraccount (@DasErnstBeste) ausgesprochen lieblos. Dann noch ein bisschen Utopien lesen und der Tag ist gefüllt.

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