Dieser Rucksack wurde aus Fasern der Bananenpflanze hergestellt

Green is the new black. Das beweist der aktuelle Trend und immer mehr Brands springen auf die Nachhaltigkeitswelle auf, um sich mit dem Thema Slow und Fair Fashion zu beschäftigen. Und das ist auf jeden Fall eine super Sache. Doch für zahlreiche Marken ist das leider nur eine PR-Masche, um im Gespräch zu bleiben. Denn außer einer „Fair Autumn/Winter Collection 2019“ ist da nicht wirklich viel Nachhaltigkeit hinter den Kulissen zu erkennen.

Das erste Gewebe aus Fasern der Bananenpflanze

Anders ist es bei dem Schweizer Taschenlabel QWSTION. Seit der Gründung des Labels im Jahr 2008 hat die Marke konstant an Möglichkeiten gearbeitet um Taschen aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen, welche genauso funktional wie nachhaltig sind. Jetzt präsentieren die Schweizer ihre bisher größte Innovation: Bananatex, das weltweit erste Gewebe aus Fasern der Bananenpflanze, welches im philippinischen Hochland biologisch kultiviert wird.

©QWSTION

Wie die Idee für den einzigartigen Stoff entstanden ist und welche Herausforderung das Projekt mit sich gebracht, erzählte QWSTION-CEO Hannes Schönegger uns in einem kurzen Gespräch.

Herr Schönegger, die neuen Modelle von QWSTION sind aus Bananatex- einer neuen Art von Gewebe aus Fasern der Bananenpflanze. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Fasern der Bananenpflanze zu nutzen?

Weltweit werden 90% aller Taschen aus Plastik, also aus Erdöl hergestellt, vor allem weil es billiger ist, grosse Mengen maschinell zu fertigen. Allerdings nur vermeintlich billiger, die tatsächlichen Kosten fallen ja nicht sofort an – werden aber am Ende von uns allen bezahlt. Wenn man weiß, dass lediglich 9% des Plastiks weltweit wiederverwertet werden, ergeben sich sehr offensichtliche Fragen nach Alternativen. Dinge zu hinterfragen war immer schon unser Antrieb, das ist Teil unserer Firmen-DNA und der Hintergrund unseres Namens. Unser Design Team hat in viele Richtungen recherchiert und mit verschiedenen Fasern experimentiert, was uns zur Bananenpflanze geführt hat. Die Eigenschaften wie Robustheit, Langlebigkeit und der Soziale wie Ökologische Fussabdruck waren mehr als überzeugend; da haben wir angesetzt.

Wie lange hat dieser Recherche-Prozess und die Materialentwicklung gedauert, und welche Herausforderungen gab es dabei?

Wir haben drei Jahre an Entwicklungsarbeit investiert, um letztlich zu Bananatex in der marktreifen Form zu gelangen. Da noch nie ein vergleichbares Gewebe entwickelt wurde gab es Herausforderungen auf allen Ebenen, vor allem ging es aber darum, ein Garn zu fertigen, welches alle unsere Bedürfnisse an ein geeignetes Gewebe erfüllt. Wie wir den Stoff natürlich wasserabweisend machen können war ebenfalls eine entscheidende Frage, das ist letztlich durch den Einsatz von Bienenwachs gelungen. Abgesehen davon war es uns auch ein großes Anliegen, alle Stationen bis zu den bäuerlichen Strukturen auf den Philippinen zu kennen, selbst zu besuchen und zu dokumentieren. Die Textilindustrie ist ja generell sehr intransparent, für uns war es jedoch ein logischer und wichtiger Teil des Projektes.

© Lauschsicht

Wo wir gerade über Instransparenz sprechen: Wie stellen Sie also sicher, dass die Herstellung in allen Schritten komplett nachhaltig ist?

Das geht nur wenn man genau hinsieht und selbst vor Ort ist. Unser Design Team hat viel Zeit mit und bei den einzelnen Partnern verbracht, um zusammen mit unserem Know-How als Taschen-Nerds die richtigen Antworten zu finden. Selbstverständlich haben wir das Gewebe auch extern prüfen lassen, auch wenn Tests und Zertifikate oftmals nur eindimensionale Ergebnisse bringen. Uns wurde bestätigt: der Stoff ist nachweislich schadstofffrei und 100% natürlich, Bananatex kann man somit ohne weiteres in den Kompost geben.

Obwohl Slow Fashion und Nachhaltigkeit in aller Munde ist, kaufen dennoch die meisten immer noch Discount-Fashion-Anbietern wie Primark. Wie kann man die Umgang mit fairer und nachhaltiger Mode bei den Kunden verändern? Was muss dafür passieren, dass das Thema Nachhaltigkeit auch bei den Otto Normalverbraucher ankommt?

Information und Beständigkeit ist hier wohl der Schlüssel. Wir sehen aber auch eine zweite, positive Entwicklung: der Wunsch nach Transparenz und sinnvollen Alternativen wächst, wir erleben das speziell bei jüngeren Menschen. Unsere Aufgabe besteht vor allem darin, das passende Angebot zu bieten, also Taschen die unsere drei QWSTION typischen Werte erfüllen: Funktionalität, zeitlose Ästhetik und Nachhaltigkeit. Auch der nachhaltig interessierte Konsument erwartet ein gutes, funktionelles Produkt und will wissen was dahinter steckt.

Welche Projekte stehen bei QWSTION in Zukunft auf der Agenda?

Wir sehen Bananatex als Open Source Projekt, daher wird uns diese Entwicklung weiterhin beschäftigen. Aktuell eignet sich der Stoff auch sehr gut für Schuhe/Sneakers, Jacken oder auch für Möbelstoffe, für Bekleidung muss man mit anderen Garn- und Webemodellen arbeiten, was aber keine minder spannende Aufgabe wäre. Abgesehen davon entwickeln wir unsere Kollektion ständig weiter, ein evolutionärer Prozess der nicht endet. Langeweile ist somit auszuschliessen.

© Lauschsicht

Julia Berger

Julia hat irgendwas mit Literatur, Medien & Politik studiert – ist dann aber an der Bundespräsidentschaft knapp vorbeigestolpert. Die famosen Weltherrschaftspläne mussten deswegen erstmal verschoben werden und nach ein paar kleinen Kreativpausen in Asien, Südamerika und der Agenturlandschaft ist sie nun stets bemüht als Leiterin der Digital Redaktion von Business Punk unterwegs.

Zum Autor

Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder
placeholder