Lernen von Legenden: Kaiserin Sisi

Die Kaiserschmarrn-Herzschmerz-Diva Elisabeth von Österreich-Ungarn als Business-Role-Model? Unbedingt, denn von der Monarchin lassen sich viele leiwande Taktiken für die eigene Karriere abschauen.

Das gehört ja zum Grundwissen eines jeden Eitlen: Viel wichtiger als die eigenen Leistungen sind die Chronisten, die einen begleiten. Denn die haben hinterher der Nachwelt klarzumachen, was für ein fescher Mensch man gewesen ist. Das wusste die österreichisch-ungarische Kaiserin Elisabeth, von aller Welt zärtlich Sisi genannt. Diese Lady Di 1.0 hat über Generationen die Faszination von Ü50-Menschen überall gepackt.

Das ging schon damit los, dass sie es schaffte, Kaiser Franz Joseph von sich zu überzeugen. Als sie 15 war, wurde sie zusammen mit ihrer Schwester Helene vorgeführt, und bei diesem Casting entschied der Typ sich dann für die jüngere Elisabeth. Manchmal muss man einfach Glück haben, dass die Leute aus der Personalabteilung einen mögen.

Moment, Glück? Schwierig in Sisis Fall. Denn die Ehe war dann eher fad, der Umgang der beiden sehr lauwarm. Und: Erstes Kind stirbt, an den zwei folgenden hat Sisi dann kein richtiges Interesse. Macht nichts, da ist dann ja noch das Nesthäkchen, an dem sich alle Versäumnisse wieder geradebiegen lassen. Sisis jüngste Tochter, Marie Valerie, war so etwas wie das rundlaufende Spätwerk, bei dem dann alle Bugs raus sind, die Features ausgereift und die Macherin voll und ganz hinter dem Produkt steht.

Sisi arbeitet remote

Aber was, wenn der Arbeitsplatz keine Freude bereitet? Sisi hatte keine Lust auf Hofleben und Wien überhaupt, wollte lieber auf Korfu abhängen. So ließ sie keine Gelegenheit aus, längere Kuren zu haben, wobei niemand so recht an ein ernsthaftes Leiden glaubte. Eigentlich schlau: Als Mensch mit Entscheidungsgewalt sollte man doch wissen, was für das Unternehmen am besten ist. Wenn man eben in wärmeren Temperaturen besser funktioniert? Sisi jedenfalls fühlte sich als Analognomadin recht wohl.

Und der Gemahl, der sich zu Hause langweilt? Dem wird kurzerhand eine Geliebte verschafft. Sisi hat dafür gesorgt, dass Franz Joseph die Schauspielerin Katharina Schratt kennenlernt und sich als Gespielin hält. Über Jahre. Öffentlich. Glorioser CEO-Move: In leitender Position hat man sich eben mit Top-Talent zu umgeben, muss für die wichtigsten Stellen die richtigen Leute ranholen und in der Lage sein, diese langfristig bei der Stange zu halten. Sisi schaffte das People-Management derart geschmeidig, dass der reisefaule Franz Joseph es auf sich nahm, sie immer wieder an sonnigen Küsten zu besuchen. Dort verbrachten sie dann, wie es heißt, „harmonische Stunden“ miteinander. Sisi gab sich schönen Sinnlosprojekten hin, die sehr an das Williamsburg der Jetztzeit erinnern: Übersetzte Shakespeare ins Neugriechische, ließ sich einen Anker auf die Schulter tätowieren.

Für Dreadlocks und Vlog hat die Zeit dann leider nicht mehr gereicht, denn eines schönen Septembertags wird sie von einem italienischen Anarchisten am Genfer See erdolcht. Der hatte es eigentlich auf Prinz Henri Philippe d’Orléans abgesehen, der allerdings kurzfristig seine Reisepläne geändert hatte. Attentäter Luigi Lucheni hatte halt schon alles so schön vorbereitet. Doof. Und, klar, tragisch. Also perfekter Filmstoff.

Nur müsste man irgendwie vorher verfügen, dass später niemand auf die Idee kommt, mit Weichzeichner-Kitschfilmen die tatsächlich gar nicht so reibungslose Proto-Hipster-Existenz kaputtzuinszenieren. Auch das muss in die Fibel der künftigen, eitlen Eliten.

 

Der Beitrag stammt aus unserer aktuellen Ausgabe 05/18. Im Titel erzählen wir von Bitcoin-Wunderkind Marco Streng, der den globalen Krypotowährungsgiganten Genesis Mining aufgebaut hat. Außerdem: In unserem Dossier „Streaming“ widmen wir uns der Technologie, die die Entertainment-Branche einmal komplett umgekrempelt hat. Weitere Infos gibt es hier.


Alexander Langer

Alexander ist Redakteur bei Business Punk, wo er vor allem den Teil Play Hard betreut. Vorher hat er sich durch den Berliner Startup-Dschungel gehangelt, war außerdem bei 11Freunde. Noch weiter davor tausend Jobs, von denen er dir gerne mal ausführlich erzählt, wenn du nicht aufpasst.

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