Produzenten-Duo Wiedemann & Berg: “Der Markt ist nie gesättigt“

Das Produzenten-Duo Wiedemann & Berg schwimmt auf einer Erfolgswelle, Netflix und dem Serienhype sei Dank. Und die beiden Gründer sehen die große Zeit erst noch kommen.

Von Rüdiger Sturm

Große Ruhe herrscht in den Büros im Münchner Universitätsviertel. Die Mitarbeiter im Produktionsstudio von Quirin Berg und Max Wiedemann sprechen gedämpft miteinander. Doch hinter der entspannten Fassade läuft das Unternehmen auf Hochtouren. Aktuell stehen gleich zwei ihrer Serien kurz vor dem Start – die zweite Staffel des Krimidramas „4 Blocks“ und die erste Staffel von „Der Pass“. Parallel produziert man gerade die zweite Staffel der Mystery-Serie „Dark“, mit der die Firma die erste deutsche Netflix-Serie aus der Taufe gehoben hatte. Die beiden 40-Jährigen sind die Aushängeschilder des aktuellen deutschen Serienbooms. Zeit für ein paar Fragen:

Herr Berg, würden Sie eigentlich eine Reihe wie „Das Traumschiff“ produzieren?

Quirin Berg: Klar, das würden wir. Wir arbeiten nach wie vor sehr gerne und gut mit den Sendern im Free-TV. Mit „Das Nebelhaus“ hatten wir den erfolgreichsten Sat-1-Film des letzten Jahres. Wir freuen uns sehr, für die ARD immer wieder einen „Tatort“ produzieren zu dürfen. Für das ZDF ist gerade der Zweiteiler „Walpurgisnacht“ entstanden, und diesen Herbst machen wir erneut gemeinsam einen großen Dreiteiler. Wir haben aber auch früh gesehen, dass es neue Bereiche gibt, die uns sehr viel Spaß machen und die sich weiterentwickeln werden. Deshalb haben wir 2012 gemeinsam mit Turner/TNT die Serie „Add a Friend“ produziert, die erste deutsche Pay-TV-Serie überhaupt. Ein kleines, experimentelles Format, das den Anfang gemacht hat.

Viele haben sich schwergetan, den Wandel der Branche zu erkennen. Sie nicht. Warum?

Max Wiedemann: Wir sind ja nicht die Einzigen. Aber man muss begreifen, dass alles ständig im Fluss ist. Der Markt wird in zehn Jahren komplett anders aussehen als heute und in 20 Jahren auch wieder. Da musst du im Kopf flexibel bleiben.

QB: Wir sind auch geprägt durch die Zeit, in der wir aufgewachsen sind. Max und ich kennen uns seit der fünften Schulklasse. Als wir an der Filmhochschule studiert haben, gab es die Hochphase des Neuen Markts mit ihrer unfassbaren, aber auch ungesunden Euphorie. Als wir 2003 unser Studium beendet hatten, war der Markt am Boden, und es gab nichts, was uns hätte verleiten können, die Dinge zu rosig zu sehen. Und jetzt ist es sehr spannend zu erleben, wie sich der Markt durch die Digitalisierung wieder verändert und neue Chancen entstehen.

Welche Chancen entstehen da gerade, und wie nutzen Sie die?

MW: Es ist für uns alle motivierend zu sehen, dass die Sachen, die wir gemeinsam machen, gut sind und die Menschen da draußen begeistern. Das ist ein kreatives Miteinander. Dafür braucht man wenig standardisierte Prozesse. Wir haben über die Jahre einiges ausprobiert, aber inzwischen versuchen wir klassische Bürokratie, Jour-fixe-Meetings und so weiter so knapp wie möglich zu halten und jedem seinen Freiraum zu geben.

Und auf diese Weise konnten Sie dafür sorgen, dass der Erfolg nicht aufhörte, nachdem Ihr Debütfilm „Das Leben der Anderen“ einen Oscar erhielt?

QB: Wir haben immer versucht, vor allem auf Qualität zu setzen und auf das, was uns selbst begeistert. Gerade bei den großen Projekten sind wir dabei sehr selektiv. Das heißt, wir überlegen uns sehr genau, was wir machen, und dann ziehen wir es konsequent durch. Wir möchten keine Projekte ankündigen, die dann nicht realisiert werden. Und bei allem spielt das Timing, der richtige Zeitpunkt, eben eine große Rolle. Bei „Willkommen bei den Hartmanns“ beispielsweise war uns klar, dass es nur ein sehr kleines Zeitfenster gibt, in dem diese Idee einer Familienkomödie mit Flüchtlingsaspekt aufgehen kann. Und letztlich ist es dafür immer notwendig, die richtigen Kreativen zu finden, mit denen wir arbeiten wollen.

Wie finden Sie die passenden Leute?

QB: Wir sind mit vielen einen langen Weg gegangen. Florian Henckel von Donnersmarck kennen wir aus der Filmhochschulzeit. Simon Verhoevens Debütfilm hat uns 2001 begeistert, seitdem arbeiten wir bei all seinen Projekten zusammen, zuletzt eben bei „Willkommen bei den Hartmanns“. Jantje Friese und Baran bo Odar kennen wir ebenfalls aus der Hochschule. Wir haben den Kinothriller „Who Am I“ gemeinsam gemacht, einen Film, der in den USA und auch bei Netflix sehr gut aufgenommen wurde. Dann kamen die beiden mit „Dark“ auf uns zu. Marvin Kren, der Regisseur der ersten Staffel von „4 Blocks“, hatte mit „Rammbock“ einen bemerkenswerten Horror-Debütfilm gedreht. Wir sind zusammen bei einem „Tatort“ gestartet, dann haben wir ihm „4 Blocks“ vorgeschlagen. Es macht einfach große Freude, sich gemeinsam zu entwickeln, gemeinsam zu wachsen.

MW: Natürlich hilft uns nun auch die Marktposition, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, mit denen wir gerne arbeiten würden. Aber am Ende geht es um die persönliche Beziehung, die Freude am Miteinander.


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