Diese Gründer wollen, dass euch Finanzen richtig Spaß machen

In der Anfang Oktober ausgestrahlten Folge der Show waren alle „Löwen“ von den Zwillingen beeindruckt. Vielleicht noch nicht so sehr am Beginn des Pitchs, für den die Brüder sich eine Art Bauerntheater ausgedacht hatten, mit in die Ecke gepfeffertem Aktenordner mit der Aufschrift „Verträge / Finanzen :-(“.

Aber schnell wurde klar, dass hier zwei Gründer mit einem marktreifen Produkt für einen überreifen Markt standen. „Die Zwillinge kommen aus der Branche und ein Weltkonzern ist auch schon investiert“, sagt Maschmeyer einige Wochen nach dem Deal. „Die App ist ein Kracher.“

Oft haben sich Gründer und „Löwe“ seitdem nicht gesehen, berichten die Brüder. Aber Maschmeyer schicke regelmäßig Links zu Artikeln per Mail, man telefoniere und es gebe Austausch mit dem Team des Investors. Die Brüder sind zufrieden mit ihrem neuen Partner. Vor einiger Zeit saßen sie mit einem Team von Cashlink zusammen, einem Frankfurter Fintech, in das Maschmeyer Anfang 2017 investiert hatte. Man wusste bei Dwins also, wen man sich da ins Start-up holt und welche Türen der öffnen kann.

Exoten in der Höhle

Fintech-Startups wie Dwins gehören zu den Exoten in der „Höhle“. Zum einen, weil sie oft hochkomplexe Produkte haben, zum anderen richten die sich meist an Firmenkunden. Finanzguru ist dagegen – wie das inzwischen insolvente Fintech Lendstar aus Staffel zwei – ein Endkundenprodukt.

Und für die bietet „DHDL“ die ideale Bühne: ein Millionenpublikum potenzieller User – und fünf „Löwen“, deren Geld beim Wachsen von Finanzguru helfen kann. „Wir haben uns vorher gesagt: ,Wenn wir einen Deal aushandeln, dann wollen wir den auch annehmen‘“, sagt Alexander Michel. Frisches Kapital kann Dwins auf jeden Fall gebrauchen. Denn die Idee hinter Finanzguru ist größer als ein Tool zur Kündigung von Versicherungen. Im szeneüblichen Pathos beschreibt Benjamin Michel die „Mission“ so: „Menschen Zeit zu schenken, das zu tun, was sie lieben.“ Und so abgehoben das zunächst klingt, im Grunde hat er ja recht. Man spart Zeit bei etwas, was sonst im Alltag nervt.

„Kontoblick in die Zukunft“

Tatsächlich scheint Finanzguru dazu zu führen, dass User der App mehr Zeit mit ihrem Geld verbringen wollen. Anfang 2018, berichtet Alexander Michel, hätten sich die Kunden im Schnitt seltener als fünfmal im Monat eingeloggt, inzwischen tun sie es praktisch jeden zweiten Tag. Das hat natürlich mit Features wie dem Blick auf das frei verfügbare Einkommen zu tun und dem „Kontoblick in die Zukunft“. „Man merkt, dass wir als Finanzguru eine alltägliche Relevanz bekommen“, sagt Benjamin Michel.

Darin steckt die Chance für das Startup. Durch den häufigeren Kontakt mit dem Nutzer steigen die Möglichkeiten, ihm andere Produkte anbieten zu können. Finanzguru kennt die Ausgaben der Kunden für Strom oder Gas – wa­rum nicht preiswertere Alternativen vorschlagen und beim Anbieter eine Provision kassieren? Solche Funktionen sind in Vorbereitung und das Geschäftsmodell. Finanzprodukte und Versicherungen wären der nächste logische Schritt.

Klar, dass solche Aussichten einen Finanzprofi wie Maschmeyer ansprechen. Er wolle nicht, stellt er klar, dass aus Finanzguru eine billige „Leadgenerierungsmaschine“ wird. Aber er ist zufrieden, die Zahlen stiegen: Innerhalb einer Woche nach der Sendung, berichtet er, sei die App von 330 000 Leuten runtergeladen worden, von denen sich 200 000 registriert hätte. Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung im Frühjahr waren es gerade mal 5 000 aktive User.


Neue Ausgabe: Die Höhle der Löwen #2

Die zweite Ausgabe zur neuen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ ist da. Ein Heft über Gründer, ihre Ideen und Produkte – das die Geschichten hinter der erfolgreichsten deutschen Gründershow erzählt und erfolgreiche Unternehmer porträtiert. Für alle Fans der TV-Show und alle die davon träumen, etwas Eigenes zu wagen. Ab 13. November am Kiosk erhältlich – oder hier direkt online.


Christian Cohrs

Christian ist der Redaktionsleiter bei BUSINESS PUNK und legt großen Wert darauf, dass Startups nicht in Schmieden hergestellt werden. Wenn er nicht an den Texten von Autoren herummäkelt (das ist nun einmal sein Job), schreibt er über Gründerthemen, Gewissensfragen und Schnaps.

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