Kiki Bosch: “Kälte ist kein Schmerz, sondern ein Werkzeug“

Ist es nicht ab einem bestimmten Punkt auch gefährlich?

Nach einer Weile gibt mir mein Körper kleine Signale, dass er auskühlt. Fünf bis zehn Minuten, bevor ich wirklich rausmuss, sage ich meinem Team Bescheid. Das erste Zeichen ist, dass ich den kleinen Finger nicht mehr bewegen kann, danach werden meine Hände kalt, dann habe ich ein komisches Gefühl in den Schultern. Nach einer Weile verliere ich meine Weitsicht. Am Anfang, wenn ich ins Wasser gehe, fokussiere ich immer etwas Bestimmtes, und sobald ich es nicht mehr scharf sehe, ist das ein Zeichen, dass ich rausmuss.

Was tun Sie, nachdem Sie wieder aufgetaucht sind?

Wieder draußen, nutze ich Atemtechniken und Meditation, um mich aufzuwärmen. Macht man das bewusst und ganz langsam, schmerzt es kaum. Aber wenn man sich zu schnell aufwärmt, kann man einen Backdrop bekommen. Das heißt, dass sich das kalte Blut der Extremitäten mit dem warmen Blut vermischt. Und das schmerzt sehr im Herzen.

Wie reagiert Ihr persönliches Umfeld auf Ihr extremes Hobby?

Es gibt immer komische Blicke. Meine Eltern sind eher besorgt, dass mir etwas zustößt. Sie denken, ich bin verrückt – aber ich war auch schon immer die Verrückte in der Familie. Wenn man meine Eltern fragt, was ich genau mache, könnten sie es nicht wirklich sagen. Es gibt keine Jobbeschreibung für das, was ich tue.

Das Eistauchen begann für die Niederländerin als Selbsttherapie. Credits: Kiki Bosch.

Ihre Eisbadevideos auf Youtube haben für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Wie kommen Sie mit dem Hype um Ihre Person klar?

Eigentlich komme ich damit gar nicht klar. Als das erste Video veröffentlicht wurde, bekam ich sogar viele Hassnachrichten, weil ich in Unterwäsche getaucht bin. Aber ich mag Kontakt zu anderen Leuten, und ich möchte die Menschen durch das, was ich mache, zusammenbringen. Durch das Eisbad habe ich meinen Weg gefunden, mich mit der Natur zu verbinden – und das hat mich mit mir selbst und mit der Welt um mich herum verbunden.

Sie tauchen mitunter an sehr entlegenen Orten und sind mit einem Team unterwegs. Wie finanzieren Sie das Ganze?

Ich halte Vorträge und gebe Workshops, in denen ich die Atemmethode von Wim Hof lehre. Sie dient zur Vorbereitung auf die Kälte, eine Art Meditation, durch die man den Stress im Körper reduzieren kann.

Sie geben auch Workshops, bei denen die Leute lernen, es selbst im Eiswasser auszuhalten. Warum will jemand das können?

Die Leute kommen zu mir, weil sie etwas fernab ihres Alltags lernen wollen, etwas überwinden wollen. Denn die Idee meiner Workshops ist: Überwinde dich und deine Gedanken und transformiere dies in etwas Schönes. Wenn sie ins Wasser gehen, halten sie den Atem an, aber sobald sie lernen, diese Anspannung abzulegen, relaxt der ganze Körper. Ihre Gesichtsausdrücke ändern sich, und sie denken: Ich schaffe das. Ich sage ihnen immer: Konzentriere dich nicht darauf, die Kälte draußen zu lassen, sondern konzentriere dich, die Wärme in dir zu speichern. Für mich ist es magisch, diese Transformation zu sehen.

Nehmen Ihre Teilnehmer dieses Erlebnis genauso positiv wahr?

Als Feedback kommt oft, dass die Leute niemals dachten, dass sie es schaffen würden, dass sie ihre Gedanken steuern könnten. Sie lernen, ihren Geist schweigen zu lassen, und fühlen sich gut, denn die Methode macht glücklich.


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