Spenden oder Investieren: Lohnt sich Impact Investing wirklich?

Schon mal was von nachhaltiger Geldanlage gehört? Macht nichts, das Ganze ist noch relativ neu, und so einen richtigen Boom gibt es auch noch nicht. Einige Experten gehen jedoch davon aus, dass dieser kleine neue Trend sich bald für Anleger lohnen könnte und nicht nur für superreiche Investoren wie Bill Gates oder Warren Buffet, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld. Ein kleiner Leitfaden für diejenigen, die mehr wollen als bloße Rendite.

Was ist nachhaltiges Investieren?

Die nachhaltige Geldanlage bezeichnet zunächst alles, was in Unternehmen, Organisationen, Fonds, etc. investiert wird, die versprechen, einen positiven Mehrwert für die Gessellschaft zu erzielen. Positiv heißt in diesem Fall, einen sozialen oder ökologischen Mehrwert zu liefern.

Eine Unterform ist das Impact Investing, also das wirkungsorientierte Investment. Auch hier geht es um Investments und Rendite, erweitert um den Faktor „Impact“. Um Geld also, das in Unternehmen, meist jedoch in Fonds mit Unternehmen gesteckt wird, die besonders nachhaltig wirtschaften. Allem voran steht die kapitalstische Erkenntnis, das die durch ihn verursachten Dinge wie der Klimawandel oder Wohnungsnot auch und vor allem Märkte sind, die sich durch Investitionen stärken lassen. Also wird vermehrt in Industriesektoren wie soziales Wohnen, nachhaltige Landwirtschaft, Bildung oder erneuerbare Energie investiert, die versprechen, auch Rendite abzuwerfen.

Am Ende sollen bei der nachhaltigen Geldanlage wie auch beim Impact Investing beide Seiten profitieren. Im Grunde geht es also um die Auflösung eines immerwährenden Konflikts, nämlich, dass sich beim Geldverdienen auch Gutes tun lässt. Kann das funktionieren?

Wie stehen nachhaltige Fonds und Impact Investing heute da?

Viele Experten gehen davon aus, dass Impact Investing absolut auf dem Vormarsch ist. Laut dem „Annual Impact Investor Survey 2018“ des Global Impact Investing Networks sind weltweit derzeit mehr als 228 Mrd. Dollar „wirkungsorientiert“ angelegt, im Jahr zuvor waren es nach deren Schätzung noch rund 112 Mrd. Dollar, die damals verwaltet wurden. Mit einer Zuwachsrate von 13 Prozent über die vergangenen fünf Jahre ist das ordentlich, verglichen mit dem Gesamtvolumen der weltweit in Fonds verwalteten Gelder jedoch noch verschwindend gering.

Nach einer Bertelsmann-Studie sehen die Zahlen in Deutschland mit einem Volumen von etwa 70 Mio. Euro noch bescheiden aus, dieses habe sich aber zwischen 2012 und 2015 immerhin verdreifacht. Auch hier kann man also von einem gewissen Pioniergeist sprechen.

Wie ist es um nachhaltige Fonds generell bestellt? Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ zitierte jüngst in einem Artikel über den Trend den BWL-Professoren Timo Busch von der Uni Hamburg, der 155 Studien ausgewertet hat, die nachhaltige mit konventionellen Depots verglichen. Das Ergebnis: 16 Prozent attestierten einen positiven Einfluss auf die Rendite, elf Prozent einen negativen. Die restlichen Studien kamen zu dem Schluss, dass Nachhaltigkeit nicht wirklich einen Einfluss darauf hat. Das bedeutet zumindest, nicht auf Rendite verzichten zu müssen, sollte man sich für eine nachhaltige Anlage entscheiden.

Verantwortlich für die hohe Nachfrage seien laut Weltwirtschaftsforum neben Millennials, die eben besonders nachhaltig im Vergleich zur Vorgängergeneration unterwegs sind, auch die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Der Trend ist also da, um zu bleiben.

Dann lohnt es sich doch oder?

Verglichen mit dem globalen Kapitalmarkt sind die nachhaltig investierten Dollar noch Peanuts, doch Finanzgiganten wie Blackrock, Goldman Sachs oder Bain Capital sind bereits auf den Zug aufgesprungen und haben eigene Nachhaltigkeitszweige geschaffen. Die deutschen Fondsgesellschaft DWS, Union Investment und die Deka forcieren ebenfalls nachhaltige Geldanlagen. Aufgrund des Vertrauens, das die Finanzgrößen also in die Anlageform fassen, rechnen ihr viele in Zukunft gute Wachstumschancen aus.

Was diesen Topf anwachsen lässt, ist aber auch Anlass zur Reflektion: Großunternehmen wirken in vielen Geschäftsbereichen und generieren Anteile ihres Umsatzes somit auch aus Feldern, die als nicht nachhaltig gelten. Ein Konzern, der groß in Windenergie macht, kann trotzdem auch am Ölgeschäft teilnehmen.  Ein Umstand, der – Rendite hin oder her – in einem Investitionsfeld mit weichen Faktoren wie moralischen Überlegungen, zu komplizierten Zusammenstellungen der Produkte führt, die sich oft nicht leicht durchblicken lassen. Einheitliche Standards dafür gibt es noch nicht.

Was bereits in die Richtung einer unabhängigen Bewertung von Fonds geht, ist das Forum Nachhaltige Geldanlagen, das nachhaltige Fonds nach eigens festgelegten Kriterien zertifiziert und ein Siegel vergibt. Vorsicht: Welche Renditen diese Fonds erzielen, wird hier nicht berücksichtigt und obliegt den Anlegern.

Also Ratings checken und investieren?

Es kommt darauf an, was man als Anleger will. Auch, wenn es bereits spezialisierte Ratingagenturen gibt, die mehr oder weniger strenge Kriterien ausformulieren, stehen wir letztlich vor der Frage: Was ist gut? Vor allem aber: Was ist gut genug? Die Carribbean Climate-Smart Coalition zum Beispiel, die 8 Mrd. Dollar auftreiben und in erneuerbare Energien investieren will, erhielt Geld von der Weltbank, die seit langem in der Kritik steht, mit ihren Strukturanpassungsprogrammen für hohe Inflation und zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums in sogenannten Entwicklungsländern zu sorgen. Welche gute Sache hebelt also unter Umständen eine andere aus und welche ist dann wichtiger?

Der Impact Investor Survey führt auch einen Klima-Fond von der norwegischen Regierung, der zusammen mit Unilever gegründet werden soll. Einem Unternehmen also, das systematisch Sumpfwälder trockenlegen ließ und Subunternehmen beschäftigt, die hektarweise Regenwälder für Palmöl-Plantagen abholzen. Außerdem wurde dem Unternehmen Überfischung der Meere und diverse andere Umweltverbrechen und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die Beteiligung an solch einem Fond – so förderlich er selbst für nachhaltige Projekte vielleicht auch sein mag – würde also auch einem Unternehmen zugute kommen, das viele dieser Probleme überhaupt erst verursacht.

Auch, dass die Fonds selbst alle sauber sind, ist nicht immer gewährleistet. Im November brachte Jan Böhmermann in seiner Show „Neo Magazin Royale“ einen Beitrag über deutsche Banken, die „nachhaltige Fonds anbieten“. Dabei zeigte sich, dass sich darin teilweise auch Unternehmen wie Thyssenkrupp befinden, die in der Rüstungsindustrie aktiv sind. Möglich ist das durch eine Art Fünf-Prozent-Klausel: Unternehmen, deren Umsatz aus nicht nachhaltigen Bereichen fünf Prozent nicht übrsteigt, dürfen in den Fond.

Fazit

Am Ende bleiben ein paar Fragen, die Anleger für sich beantworten sollten, bevor sie in nachhaltige Finanzprodukte investieren: Was genau bedeutet „Impact“ und wie kann man ihn bemessen? Reichen mir die Rating-Kriterien einer Agentur aus oder sind damit immer noch Branchen beteiligt, die ich als nicht nachhaltig erachte? Wie wichtig ist mir die bloße Rendite, die momentan stabil zu sein scheint, und wieviel Mehraufwand möchte ich betreiben, um zusätzlich noch einen Impact zu generieren?

Vormachen sollte man sich jedenfalls nichts: Nachhaltiges Investieren bedeutet zur Zeit noch permanentes Abwägen von Wirkung und Kosten. Wer nur auf Rendite aus ist, hat weniger Aufwand als jemand, der noch zusätzlich eine hohe Wirkung erzielen will. Und da es noch keine in der Breite verbindlichen Kriterien für nachhaltige Fonds gibt, die zum Beispiel bestimmte Branchen auch explizit ausschließen, besteht zusätzlich die Gefahr, dass sich Sales- und Marketingteams den Begriff schnappen und Impact draufschreiben, wo Impact letztenendes nicht drin ist – eine Art Greenwashing an den Finanzmärkten also.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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