Dieser Mann macht Fußball auf den Phillippinen groß – mit Spielern aus dem Ausland

Die Philippinen sind im Fußball ein Niemand. Dan Palami investiert Millionen, damit das Team gewinnen lernt, und hat einen der erfolgreichsten Trainer der Welt verpflichtet. Das Ziel scheint nah wie nie.
Von Felix Lill

Die Philippinen haben 110 Millionen Einwohner. Da sollten sich genügend halbwegs Talentierte finden, um eine brauchbare Fußballmannschaft auf die Beine zu stellen. Tatsächlich kommt der Sport hier aber erst weit nach Basketball, Boxen und Billard. Fußball ist so traditionslos, dass Dan Palami zunächst keinen Begriff für das Spiel hatte, das ihn vor 40 Jahren faszinierte. Damals hatte er als kleiner Junge auf der Straße in seiner Heimatstadt Tacloban zwei ältere Jungs beobachtet, wie sie gegen einen Ball traten. Später, als er über das nötige Taschengeld verfügte, kaufte Palami sich Videokassetten mit Aufnahmen des brasilianischen Fußballers Pelé und gründete, als er die Leitung einer Firma übernommen hatte, dort eine Betriebssportgruppe. Der Mannschaft mangelte es zwar an Gegnern, ihrem Initiator jedoch nicht am Willen, den Sport populär zu machen.

Heute ist Palami 48, erfolgreicher Unternehmer und nach knapp zehn Jahren, in denen er sehr viel Geld in den Aufbau eines philippinischen A-Nationalteams gesteckt hat, seinem Ziel so nah wie nie. Die Mannschaft hat sich für die Asienmeisterschaft im Januar qualifiziert – zum ersten Mal. Es dürfte schwer werden, die Todesgruppe mit Südkorea und China zu überstehen, doch den Rekord kann Palami keiner mehr nehmen. Und noch ist er nicht am Ziel.

Herr Palami, Sie sind mit Ihrem Lebensprojekt gut vorangekommen, das philippinische Nationalteam steht vor seinem größten Erfolg. Wie haben Sie das angestellt?

Wir haben Millionen Arbeitsauswanderer in allen möglichen Ländern, und viele von ihnen heiraten dort. Ihre Kinder dürfen den philippinischen Pass beantragen und können damit für unsere Nationalmannschaft spielen. Auf die Idee, dass starke Spieler, die als Kinder von Filipinos oder Filipinas im Ausland aufgewachsen sind, unser Team bereichern können, kam ich vor knapp zehn Jahren. Seitdem betrachte ich die Stärkung des Fußballs auf den Philippinen als meine größte Aufgabe.

Im aktuellen Kader der Azkals stehen fast nur noch Halbfilipinos aus Spanien, Deutschland, England und der Schweiz © Phillippine Football Federation

Wie ging das damals los, haben Sie beim Fußballverband angerufen, und der sagte dann, klar, machen wir?

Ich war schon als Kind fußballbegeistert, und weil die Szene früher viel kleiner war, kannte man mich. Ende 2009 bot mir der Verband zuerst an, die U19-Nationalmannschaft zu managen. Aber wir waren schwach, spielten unentschieden gegen Guam. Guam! Dort leben 160 000 Menschen, auf den Philippinen mehr als 100 Millionen. Einen Monat später beförderte mich der Verband zum Manager der A-Mannschaft. Mit den Erfahrungen aus der U19 war mir klar, dass wir mit rein inländischen Spielern noch nichts erreichen konnten.

Also kamen Sie auf die Idee mit den Auswandererkindern.

Genau. Um die zu finden, mussten wir als Allererstes ein Netzwerk von Scouts aufbauen, die weltweit nach diesen Halbfilipinos suchen. Das ist nicht immer leicht.

Wie finden Ihre Scouts die Spieler?

Sie suchen über die philippinischen Gemeinden in allen möglichen Ländern oder in sozialen Medien. So finden sie heraus, wo es Fußballer mit unseren Wurzeln gibt. Aber wenn wir einen Spieler identifiziert haben, ist noch lange nichts gewonnen. Unser Spielmacher Stephan Schröck, der in Deutschland aufwuchs, oder Martin Steuble aus der Schweiz, die beiden waren Profis in ihren jeweiligen Ländern und hatten dem dortigen Spielplan zu folgen. Stephan hat häufiger erzählt, sein damaliger Klub Eintracht Frankfurt hätte kein Verständnis gehabt, dass er für so ein kleines Fußballland ins Ausland reisen wollte.

Und die Spieler selbst?

Das ist das Gute: Die müssen wir fast nie überzeugen. Als Söhne von Auslandsarbeitern haben sie eine Art Nationalstolz für die Philippinen. Selbst wenn sie vor ihrer ersten Länderspielreise noch nie im Land gewesen waren und so wie bei Stephan oder Martin fast nichts über die Kultur wussten. Sie waren sofort dabei, als sie die Azkals sahen.

Azkals?

So nennen wir unser Team. Auf Tagalog, unserer dominierenden Sprache im Land, bedeutet Azkal Straßenhund.

Wie wird eigentlich untereinander kommuniziert?

Meistens auf Englisch. Tagalog spricht fast keiner der internationalen Spieler.

Wie gut harmonieren die Spieler?

Von der Spielanlage her haben die Halbfilipinos klare Vorteile, weil sie im Ausland eine bessere Ausbildung erhalten haben. Aber viele von ihnen sahen sich erst mal ordentlich um, als sie in Asien auf dem Platz standen. In Europa ist das Spiel organisierter, hier wird dafür mehr gerannt. Aber wenn sie die Umgewöhnung schaffen, sind sie eine riesige Hilfe. Deswegen bemühe ich mich so sehr um sie.

Hatten Sie auch schon Absagen?

Natürlich kriegen wir nicht alle Halbfilipinos, die wir gerne bei uns hätten. David Alaba vom FC Bayern ist zum Beispiel Sohn einer Filipina. Aber so ein Spieler ist für uns außer Reichweite. Wir sehen uns im Moment wieder konkret nach einigen Spielern aus der Bundesliga und der französischen Ligue 1 um. Vielleicht gibt es bald Verstärkung.

Wie war das im Land? Gab es Widerstand gegen die Idee, die Nationalmannschaft quasi zu internationalisieren?

Eigentlich nicht. Wir haben ja keine Einbürgerung von Ausländern vorgenommen, wie das andere Länder manchmal machen. Die Spieler, die wir anwerben, haben von vornherein ein Recht auf den philippinischen Pass. Außerdem wollen wir nach und nach Spieler von den Philippinen in die Mannschaft integrieren, aber das braucht Zeit. Hier im Land fehlte es vor einigen Jahren noch völlig an guten Trainingsplätzen, Trainern, Bällen, eigentlich allem. Das wird besser, aber es geht nicht so schnell.


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