Dieser Mann macht Fußball auf den Phillippinen groß – mit Spielern aus dem Ausland

Ihr erklärtes Ziel ist es, die Philippinen in die Top 100 der Fifa-Weltrangliste zu befördern. Gestartet sind Sie von Platz 195, mittlerweile ist es Rang 116. Läuft also.

Ja. Und deshalb ist der Suzuki Cup (an dem die Azkals zum Zeitpunkt des Interviews Mitte November teilnahmen, die Redaktion) jetzt so wichtig! In den letzten Jahren waren wir immer wieder nah dran, konnten aber nicht gewinnen. Diesmal ist vielleicht unsere Zeit gekommen. Außerdem steht im Januar der Asien Cup an, und wir sind endlich qualifiziert, zum ersten Mal. Hier geht es für die Philippinen um sehr viel.

Reisen Sie zu jedem Spiel?

Ja. Und immer mit der Mannschaft. Ob in Malaysia, Singapur oder Indonesien, ich muss dabei sein. Das Gefühl, auf der Trainerbank zu sitzen, ist das Beste überhaupt. Vor allem, wenn du weißt, dass du einen großen Anteil an dem hast, was hier gerade vor sich geht.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit Fußball, wie viel in der Firma?

Mittlerweile, wenn wir in einer Turniervorbereitung sind, ist es vielleicht ein Verhältnis von 70 zu 30 für den Fußball.

Haben Sie eigentlich keine Sorge, Ihre Firma könnte leiden?

Die lasse ich ja nicht außer Acht. Mein Unternehmen läuft normal weiter. Meinen Vertretern im Unternehmen kann ich zum Glück vertrauen. Auch wenn ich wegen der Länderspiele nicht im Büro sein kann, bin ich ja immer per Telefon erreichbar.

Wirklich immer? Schauen Sie während der Spiele auf Ihr Handy?

Na ja, meine Kollegen wissen schon, wann Sie mich lieber nicht anrufen sollten. Ich sehe das Wichtige dann später.

Und im Betrieb selbst lästern doch sicher einige, dass der Chef seine Zeit der Randsportart opfert?

Die gibt es bestimmt. Aber was sollen sie sagen? Den Gründer des Unternehmens kritisieren, der ihren Arbeitsplatz garantiert?

© Phillippine Football Federation

Ihr Engagement kostet neben Zeit auch Geld. Wie viel haben Sie bislang in die Azkals investiert?

Schwer zu sagen, aber einige Millionen Dollar sind schon reingeflossen. Das Gute ist, mittlerweile haben wir eine ordentliche Marketingabteilung, die weitere Sponsoren anwirbt. Unser Budget steigt, und mein Anteil an der Unterstützung sinkt.

Sind die Führung eines Unternehmens und die Führung einer Fußballtruppe eigentlich vergleichbar?

Es gibt schon viele Gemeinsamkeiten. Du musst das Geschehen genau beobachten, aber deinen Leuten wirklich voll vertrauen können. Mich haben sie in beiden Welten schon dafür kritisiert, dass ich den Mitarbeitern zu sehr vertraue. Angeblich gebe ich zu häufig neue Chancen.

Apropos Chancen: Seit diesem Jahr trainiert der Schwede Sven-Göran Eriksson die Azkals. Wie haben Sie einen Coach, der Topklubs und große Nationalteams trainiert hat, auf die Philippinen gelockt?

Ja, ich war auch überrascht, als er Interesse signalisierte. Leute von seinem Kaliber verdienen anderswo wohl so um die 4 Mio. Pfund pro Jahr. Das kann ich mir dann doch nicht leisten. Aber einer unserer Scouts war mal Jugendtrainer beim englischen Klub Leicester, wo Sven früher Trainer war. Der stellte den Kontakt her. Ich emailte Sven dann meinen Traum: für eine Nation mit 110 Millionen Menschen mit der internationalsten Nationalmannschaft überhaupt in die Top 100 der Welt aufsteigen. Dann fügte ich hinzu: „In so vielen Regionen haben Sie schon ein Vermächtnis, Herr Eriksson. In Asien könnten Sie eine Legende werden.“ Irgendwie gefiel ihm das.

Was entgegnen Sie Leuten, die Ihre internationale Truppe nicht wirklich als philippinische Nationalmannschaft ernst nehmen?

Ich weiß, dass wir im Land Skeptiker haben. Die sind durch unsere Erfolge leiser geworden, aber verschwunden sind sie noch nicht. Meine Meinung ist die: Die Philippinen hängen in sehr hohem Maße von den Geldrücksendungen der Auslandsarbeiter ab, weshalb wir sie zu Recht als Helden feiern. Und deren Kinder? Die sind für unseren Fußball und damit für das Standing unseres Landes in der Welt unglaublich wichtig. Auch sie sind Helden. So sollten wir sie behandeln. Und ich glaube, wenn wir noch weitere Erfolge einfahren, wird das auch Konsens.

Und Sie, Herr Palami? Wollen Sie selbst ein Held sein?

Nein, ich mache das alles nicht für Aufmerksamkeit oder Ruhm. Aber wenn ich als etwas bekannt sein will, dann als der größte Fußballfan der Philippinen.

Der Text stammt aus unserer aktuellen Ausgabe. Darin stellen wir 100 Gründer, Macher und Kreative vor, von denen wir 2019 Großes erwarten. Auf dem Cover: Aya Jaff. Die 23-Jährige ist Deutschlands bekannteste Programmiererin. Weitere Themen im Heft: NSFW, ein Sexklub für die Generation Instagram. Außerdem: Dan Palami. Der philippinische Unternehmer will die Fußball-Nationalmannschaft des Landes an die Spitze der Fifa-Tabelle führen – und viele weitere Geschichten. Mehr Infos gibt es hier.


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