Sei Super Mario: Wie du den Tod der klassischen Karriere für dich nutzen kannst

Die klassische Karriere liegt auf dem Sterbebett – und das ist auch gut so. Denn damit beginnt eine spannende Zeit für alle, die Lust auf Neues haben und ihr Leben selbst gestalten wollen.

Eine Kolumne von Felix Plötz

Der klassische Karriereweg sah ungefähr so aus: Zu Beginn deines Arbeitslebens betrittst Du einen dunklen Tunnel. Du gehst los, und nach einiger Zeit kommt eine Treppenstufe, später kommen vielleicht noch eine zweite und irgendwann eine dritte. Die Strecke führt auf diese Weise ganz langsam bergauf, aber du weißt nicht, wie viele Stufen noch vor dir liegen. Im Tunnel gibt es keine Abzweigungen und auch keinen Blick nach draußen. Am Ende des Tunnels siehst du Licht: du gehst in Rente. Ganz schön langweilig, oder?

Der Tunnel bröckelt

Das ist nicht nur langweilig, es funktioniert heute auch immer weniger. Wir erleben gerade, wie der Karrieretunnel einstürzt: Hierarchien bröckeln, das mittlere Management bricht weg. Eigenverantwortliche Arbeit braucht keine Kontrolle. Cross-funktionale Teams brauchen keine Abteilungs- oder Bereichsleiter. Das bedeutet immer weniger Aufstiegsmöglichkeiten und auch immer weniger Jobsicherheit. In der Zukunft gibt es keine Tunnel mehr. Doch die Karriere ist damit nicht tot, sie wird nur völlig anders aussehen.

„It’s-a Me, Mario!“

Der neue Karriereweg sieht ungefähr so aus: Zu jedem Zeitpunkt in deinem Berufsleben stehst du vor verschiedenen Plattformen von unterschiedlicher Größe und in unterschiedlicher Höhe. Du kannst jederzeit von Plattform zu Plattform springen – von der Führungsposition zur Fachabteilung, vom Konzern zum Familienunternehmen, vom Angestelltenjob in die Selbstständigkeit, von der Fortbildung in ein Corporate Startup – es ist alles möglich. Du bist so etwas wie Super Mario aus dem Video-Game, der von Plattform zu Plattform hüpft – es geht mal nach oben, mal zur Seite, und auch mal wieder nach unten. Mal geht es langsam, mal sammelst Du einen Pilz ein und bekommst einen Speedboost. Super Mario springt von Plattform zu Plattform, um die Prinzessin zu retten – Deine Mission ist eine andere: Du willst eine Karriere mit Abwechslung, Sinn und Selbstbestimmung.

Wie du dir Zukunftskompetenzen aneignest

Die Plattformkarriere ist aber kein Jobhopping, denn sie geschieht nicht nach dem Zufallsprinzip. Und neben Sinn und Selbstbestimmung ist sie vor allem immer noch ein Karriereweg: Mit jedem Sprung erweiterst du dein Skill-Set. Mit jedem Sprung rüstest du dich mehr für die digitalisierte Arbeitswelt.

• Du lernst unterschiedlichen Unternehmen, Branchen und Kulturen kennen.
• Du trainierst deine Anpassungsfähigkeit: Eine wichtige Qualität in der von Unsicherheit und Uneindeutigkeit geprägten VUCA-Welt.
• Durch den Blick über den Tellerrand lernst Du ganz unterschiedliche Ansätze der Problemlösung.
• Durch unterschiedliche Perspektiven schärfst du den Blick für strategische Zusammenhänge.
• Du knüpfst Kontakte, die auf jeder weiteren neuen Plattform wichtig sein können.

Auch für Dich persönlich hat die Plattform-Karriere viele Vorteile:

• Du hast die Möglichkeit, unterschiedliche Talente zu fördern, die in dir schlummern, zum Beispiel als Fachkraft, Führungskraft, Unternehmer oder Mitglied in einem Innovationsteam.
• Du kannst die Art der Arbeit an deine aktuelle Lebenssituation anpassen, nicht umgekehrt, und deine Karriere pushen oder runterfahren, wenn es zum Beispiel aus familiären Gründen nötig ist.
• Abwechslung macht Spaß und motiviert.

Die Plattformkarriere ist die Karriere der Zukunft. Doch du musst nicht auf sie warten. Du kannst sie heute schon wählen. Viele andere tun das bereits, und einige von diesen Super-Marios stelle ich in meinem Buch „Das Ende der dummen Arbeit“ vor, zum Beispiel Markus Ziegler. Er war jahrelang Managing Director beim Logistik-Konzern LGI und verantwortlich für 800 Mitarbeiter. Heute leitet er das interne Startup Pakadoo mit nur einer Handvoll Menschen – und ist gleichermaßen glücklich wie auch erfolgreich damit. Andrea Kahlenberg baute zunächst das Office einer Hilfsorganisation im Kosovo auf, war dann bei RWE zuständig für Change-Prozesse und ist heute maßgeblich am Aufbau Corporate-Startups „Innogy Consulting“ und „LRN LAB“ beteiligt. Dort arbeitet sie wie in einem Startup – schnell, unkonventionell und kreativ. Andere gehen den umgekehrten Weg, nämlich vom Start-up zum Konzern, so wie Matthias Patz: Während seines Studiums gründete er sein erstes Unternehmen, wurde danach Startup- und IT-Berater und ist heute Vice President Innovation & New Ventures bei der Bahn-Tochter DB Systel. Du siehst: die alten, starren „Regeln“ gelten nicht mehr – wir genießen heute das Privileg der Freiheit. Doch wissen wir das auch – und nutzen es?

Du kannst raus aus dem Tunnel, jederzeit

Egal ob du schon zwanzig Jahre im Beruf bist oder gerade am Anfang stehst, du kannst den Karrieretunnel jederzeit verlassen, um dich auf die Idee der Plattformkarriere einlassen. Das einzige was Du brauchst, ist Mut. Mut, um die vermeintlichen Sicherheiten – auch im Kopf – hinter dir zu lassen. Mut, um dich gegen die vermeintlich guten Ratschläge der Traditionalisten durchzusetzen, die es gerade hierzulande so häufig gibt. Mut, es anders zu machen als die meisten anderen. Dafür bekommst Du viel: du machst Dich fit für die Jobs von morgen und dabei bestimmst du selbst, welchen Weg du gehst. Es geht ja nicht nur um deine Karriere, sondern um dein Leben. Also nichts wie raus aus dem dunklen, stickigen Karrieretunnel.


Felix Plötz

Felix Plötz ist Keynote-Speaker, Buchautor und Unternehmer. Er ist einer der meistgebuchten Vortragsredner zu den Themen Digitalisierung, Motivation und Startup-Spirit. In seinem aktuellen Buch »Traumberuf Keynote-Speaker« teilt er zum ersten Mal seine persönlichen Erfahrungen auf dem Weg zum Top-Speaker.

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