Das Startup Little Lunch zeigt, wie Bio in der Masse funktionieren kann

Sie machen Nägel mit Köpfen: Denis gibt seinen Job als Logistikleiter bei einem Mittelständler auf, Daniel kündigt in der Agentur. Sie starten voller Euphorie – um ebenso schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen: Nachts mieten sie sich in einem Restaurant ein, heuern Studenten an und kochen die ersten Suppen selbst. Doch die Sache geht gehörig schief. Alle Gläser platzen auf, ein Keim hat die Suppen verdorben. Die Brüder müssen einsehen, dass Selbst-Kochen nicht hinhaut und sie einen Hersteller brauchen. Doch auch den zu finden ist gar nicht so einfach. Die Bank hat ihnen nur 40 000 Euro Kredit eingeräumt, große Sprünge lassen sich damit nicht machen. Für die Hersteller jedoch lohnt es sich nicht, kleine Mengen zu produzieren. Durch Zufall finden sie ein Unternehmen in Italien, das eine neue Maschine testen will und sich deshalb bereit erklärt, für die Gibischs 6 000 Gläser zu kochen. Die ersten Suppen verkaufen sie über den Webshop, mehr schlecht als recht. Einmal die Woche wird ein halber Postwagen Suppen abgeholt. Nach ein paar Monaten ist der Kredit aufgebraucht, die Hälfte der Suppen verkauft – und kein Geld für neue da.

Echte Klassiker

Als Denis und Daniel Gibisch 2015 bei der „Höhle der Löwen“ sind, pfeift Lit­tle Lunch also aus dem letzten Loch. „Schmeckt die Suppe den Investoren? Wir wussten, dass diese Frage über alles entscheiden würde“, erzählt Denis. Judith Williams ist spontan begeistert, sie holt Frank Thelen mit ins Boot. Zusammen investieren die beiden 150 000 Euro. „Ich war anfangs sehr skeptisch, was sollte ich mit Suppe?“, erinnert sich Frank Thelen. „Judith Williams hat mich von dem Deal überzeugt, weil sie so sehr vom Produkt überzeugt war.“ Heute hat Little Lunch Thelens Erwartungen weit übertroffen. „Denis und Daniel sind der beste Beweis dafür, dass man auch mit einem Allerweltsprodukt Erfolg haben kann, wenn es hochwertig ist und die Story stimmt“, sagt der Investor. Mit Little Lunch hat er Food-Startups für sich entdeckt und später in weitere Firmen wie etwa Ankerkraut investiert. Auch die Hamburger Gewürzmarke wächst rasant.

Hier werden Online-Bestellungen verpackt. Zehn Prozent des Umsatzes macht Little Lunch im Netz. Foto: Daniel Delang

Little Lunch geht nach der Ausstrahlung im September 2015 durch die Decke. Der Marketing-Effekt ist gigantisch, schon während der Sendung bricht wegen der vielen Bestellungen der Server zusammen. Danach helfen Thelens Know-how und Kontakte der jungen Firma, sich zu professionalisieren und in den Handel zu kommen. Thelen stößt die Tür zu Rewe auf, die anderen Großen klopfen später von selbst an. Heute gibt es Little Lunch in allen großen Supermarktketten. Dem Startup gelingt es, den Rückenwind aus der Sendung mitzunehmen und danach aus eigener Kraft zu wachsen. Der Ursprungsidee bleiben die Gründer auch im rasanten Wachstum treu: Biosuppe, in guter Qualität, für die Masse. Zwar hat sich das Sortiment um Smoothies, Brühen und Fonds erweitert, bei den Suppensorten aber gibt es keine großen Experimente – Little Thai und Little China, ausgefallener wird es nicht. Die Liste der Klassiker dagegen ist lang: Hühner- oder Kürbissuppe, Erbseneintopf und Chili con Carne. Verkaufsschlager ist bis heute Gulaschsuppe.

Der Erfolg macht das Wachstum einfacher. Als Little Lunch 2017 frisches Geld braucht, um die weitere Expansion zu finanzieren, geht das flott: Auf der Crowdlending-Plattform Kapilendo bemühen sie sich im September um Investoren. Es dauert 26 Stunden, bis sie 1,25 Mio. Euro eingeworben haben. Bei einer weiteren Runde im Juli 2018 brauchen sie für dieselbe Summe nur noch 19 Stunden – und das sicher nicht nur dank ihrer Imagefilme, in denen etwa eine freundliche Dame davon schwärmt, dass man die praktischen Gläser sogar in die Handtasche stecken könne.

Das Geld benötigt Little Lunch, um den Vertrieb in Deutschland weiter auszubauen und langsam eine Expansion auf andere europäische Märkte vorzubereiten. Außerdem stecken die Brüder einiges in reichweitenstarke, aber teure Fernsehspots und Plakate. „Wir investieren sehr viel Geld in unsere Markenbekanntheit, auch dadurch sind wir stark gewachsen“, sagt Daniel. In guten Monaten verkauft Little Lunch heute bis zu eine Million Suppen, aus dem Hinterhof-Startup ist eine etablierte Firma mit 22 Mitarbeitern geworden. Der allerwichtigste Grund für den Erfolg von Lit­tle Lunch ist ihm zufolge aber ein anderer: „Wir machen einfach ein geiles Produkt.“ Ähnlich selbstbewusst sieht das sein Bruder, der immer noch begeistert ist von der bestechenden Einfachheit ihrer Idee: „Wir machen etwas Bestehendes besser. Das ist das ganze Ding. Fertig.“

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