Dieser 20-Jährige liefert eine geniale Erfindung für Staubsauger

Tobias Gerbracht hat bei „Jugend forscht“ gewonnen – und das gleich zweimal. Nun liefert der 20-Jährige eine clevere Erfindung für Staubsauger ab.

Tobias Gerbracht wusste, dass er auf dem richtigen Weg war, als man ihn wegen Ladendiebstahls anzeigen wollte. Gerbracht, 20, Student und schlaksiger Tüftler, wurde vor einigen Monaten am Ausgang eines Elektronikmarkts aufgehalten, weil er sich eines einfachen, aber lästigen Problems angenommen hatte: des unheilvollen „Klonk“, wenn beim Staubsaugen versehentlich ein Gegenstand im Rohr verschwindet. Nie weiß man, was man da aufgesaugt hat. Legostein? Haselnuss? Omas Ehering? Bislang war der einzige Weg, es herauszufinden, den Staubsaugerbeutel zu durchwühlen. Eine schmuddelige Angelegenheit.

Tobias Gerbracht dachte sich: Das muss doch einfacher gehen.

Tobias Gerbracht (Student im Fachbereich „Industrial Design“ an der Bergischen Universität Wuppertal / zweifacher Gewinner des Wettbewerbs „Jugend forscht“)

Gerbracht entwickelte also eine Art Klonk-Stopp: eine Vorrichtung, die größere Teile aus dem Sauger filtert, bevor sie im Beutel landen. Erste Prototypen hatte er schnell gebaut. Das Problem allerdings: Das Gerät sollte an allen Staubsaugermodellen funktionieren, und die hatte Gerbracht ja nicht im Keller stehen. Also lief er mit seinen Entwicklungen in die großen Elektronikmärkte seiner Heimatstadt Wuppertal und probierte, ob sie passten. Immer wieder. Einmal bekam er fast Hausverbot, weil er zu oft an den Staubsaugern herumhandwerkte, ohne etwas zu kaufen. Ein andermal stoppte ihn der Securitymann am Ausgang und unterstellte ihm, dass sein Prototyp doch bitte schön geklaut sei: „Der sah schon so verkaufsfertig aus, dass er meinte, ich wollte ein Produkt aus dem Haus mitgehen lassen“, erzählt Gerbracht. Aber: Das Gerät funktionierte, es passte – und Gerbracht wusste dank des Securitymanns, dass er auch mit seinem Design richtiglag. „Catch Up“ nennt er seine Idee heute. In der neuen Staffel der „Löwen“ stellt er sie vor.

Das Erstaunliche daran ist jedoch nicht, dass Gerbracht in seinem Alter schon ein marktreifes Produkt entwickelt hat – sondern eher, dass es sich dabei um eine vergleichsweise simple Idee handelt. Im vergangenen Jahr nämlich hat er beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ gewonnen. Und das zum zweiten Mal hintereinander, in jeweils unterschiedlichen Kategorien. In der Geschichte des Wettbewerbs hat das vor ihm noch keiner geschafft. 2016 bekam er den Preis im Bereich „Arbeitswelt“ für einen Augmented-Reality-Projektor, bei dem Bilder so von einer Glasscheibe reflektiert werden, dass die Objekte dreidimensional im Raum zu schweben scheinen. 2017 gab es den Preis im Bereich „Interdisziplinäre Forschung“ für eine Messstation, die die Stickoxidbelastung in der Luft bestimmt – und zwar mit einem optischen Verfahren. Warum also nun ein einfaches Kunststoffteil für den Staubsauger?

„Ich mag pfiffige Ideen“, sagt Gerbracht. Und: „Catch Up löst ein unmittelbares Problem. Bei „Jugend forscht“ steht die Wissenschaft im Vordergrund, aber Catch Up hatte andere Anforderungen – und das war eben tricky.“ Gerbracht konstruierte – anfangs aus Pappröhren, später am 3D-Drucker – eine Vorrichtung, die zwischen Bodenrohr und Handgriff des Staubsaugers gesteckt wird. Darin hängt ein Filter, an dem Kleinteile abprallen, die von dort in einen durchsichtigen Auffangbehälter fallen. Klingt simpel. „Die Technik aber steckt im Detail“, sagt Gerbracht. Zum Beispiel wollte er, dass der Filter sich einfach aus dem Weg klappen lässt, wenn er nicht gebraucht wird. Außerdem muss Dreck ja anstandslos hindurchfliegen können, selbst größere Staubflusen. Die Lösungen, die er für all das fand, sind so innovativ, dass er ein Patent darauf angemeldet hat.

Vor allem aber ist Catch Up ein marktfertiges Produkt – und so etwas wollte Gerbracht schon immer entwickeln. Einfach, weil er gern an Problemen arbeitet, für die es noch keine Lösung gibt. In die Schule ist er durchaus gern gegangen, und seine Begabung in Naturwissenschaften fiel früh auf – aber: „Gefordert haben mich vor allem außerschulische Projekte. Ich mag es, wenn man eben nicht am Ende den Lehrer nach der Antwort fragen kann.“

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