Diese Professorin sagt, Frauen netzwerken schlechter – Warum?

Karin Kreutzer ist Professorin für Social Business an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht. Sie kommt in einer Studie zu dem Schluss: Frauen netzwerken schlechter als Männer. Woran liegt das?

Frau Kreutzer, mal ehrlich: Sind Sie eine gute Netzwerkerin?

Es gibt sicherlich bessere. Aber durch meine Arbeit an der Studie ist mein Bewusstsein fürs Netzwerken gewachsen. Ein Beispiel: Wenn wir gleich mit dem Interview fertig sind, gehe ich mit meinen Kolleginnen mittagessen. Zuvor hätte ich vielleicht gesagt, ich kann nicht, ich habe so viel auf dem Zettel.

Für Ihre Studie haben Sie und Ihre Co-Autorinnen Interviews mit 37 Frauen geführt, die alle entweder erfolgreiche Unternehmerinnen sind oder in einer Führungsposition bei großen deutschen Firmen arbeiten. Um welche Form von Netzwerken geht es dort?

Es geht um den Aufbau und die Pflege eines beruflichen Netzwerks. Das bedeutet, dass man sich in seinem Umfeld Personen sucht, die einem beruflich weiterhelfen können oder denen man selbst beruflich weiterhilft, mit denen man Infos austauscht, sich gegenseitig Feedback gibt.

Lunch oder der Drink am Abend mit Kollegen gehören aber auch dazu, oder?

Genau, und da sind wir schon bei einem Punkt unserer Studie: Frauen haben oft nicht die Zeit. Sie übernehmen häufig einen Großteil der Hausarbeit, der Kinderbetreuung und der Pflege von Angehörigen. Zudem ist es in vielen Netzwerken für Frauen schwierig, Fuß zu fassen. Gemeinsam Fußballspiele schauen, Kicker spielen, das spricht Frauen – mit Ausnahmen – weniger an. Ich war gestern auf einer Veranstaltung, wo über Handball gesprochen wurde. Dazu hatte ich nichts beizutragen. Ich bin dann mit Frauen ins Gespräch gekommen, wo es schnell um unsere Kinder ging. Da dachte ich mir: In was für einem geschlechtsstereotypischen Smalltalk sind wir hier gelandet?

Die strukturellen Faktoren waren zum Teil schon durch andere Studien belegt. Was haben Sie Neues herausgefunden?

Frauen sind zurückhaltender, ihr Netzwerk zu instrumentalisieren. Sie möchten eine Beziehung in der Tendenz nicht zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen und achten zuerst darauf, die Beziehung ausgeglichen zu halten. Oft sind sie sogar bereit, mehr zu geben, als sie bekommen. Das führt dazu, dass Frauen bereits bestehende Netzwerke nicht so effektiv nutzen wie Männer.

Und Sie sagen, Frauen seien geschlechtsspezifisch bescheiden.

Genau. Durchschnittlich unterschätzen sie ihren Marktwert im Netzwerk. „Ich weiß gar nicht, was ich dazu beitragen soll“, ist so ein Satz, den wir von Frauen oft gehört haben. Oder: „Ich weiß gar nicht, ob ich da dazugehöre.“ Das gibt es natürlich auch bei Männern, aber häufiger bei Frauen.

Es gibt doch sicher auch Studien zum Netzwerkverhalten bei Männern. Da wurde keine Zurückhaltung gefunden?

Natürlich gibt es auch Männer, die sich unterschätzen. Was sich aus der Forschung sicher sagen lässt: Männer haben durchschnittlich größere Netzwerke, und es gelingt ihnen besser, sie für die Karriere zu mobilisieren.

Können Unternehmen dem entgegenwirken?

Unternehmen können zum Beispiel Mentorinnenprogramme entwerfen, um Frauen zum Netzwerken zu bringen, oder Trainings anbieten. Es kann nur im Sinne des Unternehmens sein, wenn die Mitarbeiterinnen ein effektives Netzwerk haben.

Was für Ratschläge würden Sie Frauen geben?

Man muss Frauen ermutigen, die Netzwerke ernst zu nehmen, sie aktiv zu vergrößern. Dabei müssen sie im Kopf behalten, dass überall weibliche Führungskräfte gebraucht werden. Da darf man mit einem gewissen Selbstbewusstsein auftreten. Sie sollten sich auch moralisch hinterfragen: Ist es wirklich moralisch verwerflich, wenn ich Person XY um einen Gefallen bitte?


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